Stahlpreise Autobauer schlagen Alarm

Die deutschen Automobilbauer rufen wegen der rasant steigenden Stahlpreise nun die Stahlkonzerne zu Hilfe. Die angekündigten Preiserhöhungen will die Branche nicht allein schultern und verhandelt deshalb mit den Herstellern. Unterdessen stagnieren die Zulassungszahlen.

Berlin - Die Preisexplosion bei Stahl bereite den Autobauern große Sorgen, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), am Mittwoch. Die Autokonzerne suchten deshalb das Gespräch mit den Stahlherstellern, Gespräche liefen bereits, sagte Wissmann, wollte aber keine Einzelheiten verraten.

Die Automobilbauer drohen zwischen sinkenden Margen und steigenden Rohstoffkosten in die Zange zu geraten. Angesichts der hohen Benzinpreise in Europa und den USA verkaufen sich vor allem Kleinwagen - doch die haben geringere Gewinnspannen. Und die tobende Rabattschlacht sorgt dafür, dass in den Kassen der Hersteller weniger ankommt.

Andererseits steigen die Kosten für Energie und Rohstoffe drastisch. Seit Dezember habe sich der Preis für Warmbreitband um 58 Prozent erhöht, sagte Wissmann. Aluminium und Kupfer seien um je 22 Prozent teurer geworden.

VDA sieht Preissprünge teils als ungerechtfertigt an

"Auch wir wissen natürlich, dass die Kostenbasis der Stahlhersteller aufgrund der gestiegenen Eisenerz-, Kokskohle und Schrottpreise ebenfalls unter Druck geraten ist", zeigte der VDA-Chef Verständnis. Die Marktsituation rechtfertige aber nicht so große Preissprünge. "Wir stehen in Gesprächen mit den Automobilfirmen", bestätigte ein Sprecher der ThyssenKrupp-Sparte Steel. Einzelheiten wolle er nicht nennen.

Wissmann begrüßte, dass die EU-Kommission die Fusion der beiden Minengesellschaften BHP Billiton und Rio Tinto einer Prüfung unterziehen wolle. Der VDA-Chef empfahl den europäischen Kartellwächtern, sich das Vorhaben "sehr, sehr genau" anzusehen. Durch eine Verschmelzung der Rohstoffriesen würde eine noch größere Marktmacht entstehen.

Juni-Absatz stagniert

Juni: Nur ausländische Autobauer steigern Absatz

In Deutschland traten die Pkw-Verkaufszahlen im Juni auf der Stelle. Im vergangenen Monat wurden laut VDA 304.000 neue Autos registriert, ein Prozent mehr als vor Jahresfrist. Dabei konnten aber ausschließlich ausländische Autobauer zulegen. Während mit 93.000 Pkw zwei Prozent mehr Importwagen den Weg auf deutsche Straßen fanden, stagnierte der Absatz der deutschen Konzernmarken bei 211.000.

Dank des Anstiegs Anfang 2008 bleibt zur Jahresmitte ein Zulassungsplus von vier Prozent. Insgesamt gingen in den ersten sechs Monaten 1,63 Millionen Neuwagen in Deutschland an die Kunden. Der VDA hielt an der Erwartung fest, dass in diesem Jahr in Deutschland 3,2 Millionen Pkw neu registriert würden. 2007 waren es 3,15 Millionen.

Auch der Export, der bisher die Schwäche des deutschen Marktes mehr als ausgleichen konnte, stagnierte im Juni bei 383.500 Autos. Im ersten Halbjahr schlugen die deutschen Hersteller nahezu 2,3 Millionen Wagen im Ausland los, zwei Prozent mehr als vor einem Jahr. Deshalb wurden in Deutschland im ersten Halbjahr mit gut drei Millionen Fahrzeugen zwei Prozent mehr produziert. "Wir werden in diesem Jahr im Inland 5,7 Millionen Pkw produzieren und damit das hohe Vorjahresniveau halten können - ebenso beim Export mit gut 4,3 Millionen Pkw", versprach Wissmann.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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