Freitag, 19. April 2019

Hapag-Lloyd Neptune will Milliardenkredit

Das Schifffahrtsunternehmen Neptune Orient Lines aus Singapur zählt zu den größten Interessenten der zum Verkauf stehenden Reederei Hapag-Lloyd. Angeblich bereitet NOL bereits eine Kaufofferte vor und verhandelt mit Banken über einen Milliardenkredit.

Hannover - Das Schifffahrtsunternehmen mit Sitz in Singapur habe Gespräche mit Banken über einen Milliardenkredit aufgenommen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus Finanzkreisen. NOL wolle sich fünf bis sieben Milliarden Dollar beschaffen, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen.

Reederei zu verkaufen: Hapag-Lloyd-Containerschiff "Hamburg Express"
DPA
Reederei zu verkaufen:
Hapag-Lloyd-Containerschiff "Hamburg Express"
Der Wert der TUI-Tochter wird von Analysten einschließlich Schulden auf sieben Milliarden Dollar geschätzt. Weder NOL noch Tui wollten sich dazu äußern.

Auf Druck von Anteilseignern will Tui Börsen-Chart zeigen die Schifffahrtssparte verkaufen. Vergangene Woche hatte der Konzern aus Hannover das Informations-Memorandum zu Hapag-Lloyd verschickt. Die Hamburger Traditionsreederei ist die fünftgrößte Containerreederei der Welt und setzte 2007 mit 140 Containerschiffen sechs Milliarden Euro um. NOL, weltweit Nummer acht, hat bereits grundsätzliches Interesse an Hapag-Lloyd bekundet.

Frenzel auf Werbetour in Asien

TUI-Chef Michael Frenzel war vergangene Woche in Asien auf Werbetour für Hapag-Lloyd unterwegs. Auf seinem Reiseplan stand Kreisen zufolge auch ein Besuch bei NOL. Die Reederei aus Singapur fährt mit 120 Schiffen und erwirtschaftete im vergangenen Jahr gut acht Milliarden Dollar.

Einen Zusammenschluss der auf Transatlantik- und Europa-Asien-Routen spezialisierten TUI-Tochter mit der vor allem im Pazifik tätigen NOL halten viele Experten für sinnvoll. In Deutschland könnte ein Verkauf an die mehrheitlich im Besitz des Staatsfonds Temasek befindliche NOL allerdings Kritik hervorrufen. Auf Frenzels Reiseplan in Asien stand Kreisen zufolge auch die Orient Overseas (OOCL) in Hongkong.

Auch eine Investorengruppe deutscher Unternehmer interessiert sich für Hapag-Lloyd. Die Gruppe um Kühne + Nagel-Mehrheitsaktionär Klaus-Michael Kühne und den Gesellschafter der Privatbank M.M. Warburg, Christian Olearius, will durch ein eigenes Gebot den Wegzug der Reederei aus der Hansestadt verhindern und bezeichnet ihr Projekt deshalb als "Hamburger Lösung".

Zum deutlichen Gewinnanstieg von Hapag-Lloyd in diesem Jahr sollen maßgeblich steigenden Frachtraten beitragen. Zudem kommen die 220 Millionen Euro an Einsparungen infolge der Übernahme des Konkurrenten CP Ships 2008 voll zum Tragen. Wie die Konkurrenz leidet Hapag-Lloyd aber unter den deutlich gestiegenen Preisen für Schiffstreibstoff (Bunkerkosten).

Unklar ist auch, ob sich die Kreditkrise so negativ auf die Realwirtschaft auswirkt, dass Firmen ihre Exporte zurückfahren. Dem Prospekt zufolge will Hapag-Lloyd seine Transportkapazität bis 2010 mit Hilfe von 14 neuen Schiffen auf 6,7 Millionen Standardcontainer von 5,5 Millionen in diesem Jahr erhöhen, Damit käme die weltweite Nummer fünf auf einen Marktanteil von 4,8 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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