Zug-Verspätungen Bahn rechnet mit Millionen-Entschädigung

Kommt ein Zug der Deutschen Bahn zu spät, kann der Kunde bis zur Hälfte des Fahrpreises zurückverlangen - so will es die Große Koalition. Die Bahn könnte das jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag kosten, heißt es. Kritiker monieren die Regelung dennoch als unzureichend.

Berlin - Die Koalitionspläne für Rückerstattungen bei Zugverspätungen könnten die Bahn eine dreistellige Millionensumme kosten. Der Vorstand Personenverkehr bezifferte die Ansprüche von rund neun Millionen Fahrgästen im Jahr an die Bahn auf 134,8 Millionen Euro jährlich, wie die "Braunschweiger Zeitung" berichtete. Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte am Samstag, das Unternehmen äußere sich zu Zahlen erst, wenn der Beschluss vorliege.

Union und SPD hatten sich auf eine Regelung verständigt, wonach Fahrgäste der Bahn ab 60 Minuten Verspätung 25 und ab zwei Stunden 50 Prozent Fahrpreises zurückverlangen können. Sie soll noch vor einer geplanten EU-Regelung in Kraft treten, die für Ende 2009 angekündigt ist. Die Koalition bleibt mit ihrem Vorschlag hinter den Forderungen der Verbraucherministerkonferenz zurück, die für die Fahrgäste Entschädigungen bereits ab 30 Minuten Verspätung gefordert hatte.

Der Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Gert Lindemann, hatte aber auf die immensen Kosten von mehr als 200 Millionen Euro für die Bahn bei einer 30-Minuten-Regelung hingewiesen. Dies würde die Fahrkarten teurer machen. Der Bahnsprecher sagte jetzt, über mögliche Ticket-Verteuerung durch die anvisierte 60-Minuten-Regel wolle er nicht spekulieren.

Laut Bundesjustizministerium sollen die erweiterten Fahrgastrechte vom Kabinett noch im Sommer beschlossen werden. Die Koalition strebt einen Bundestagsbeschluss noch in diesem Jahr an. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, sagte der Zeitung, die geplante Neuregelung sei enttäuschend. Entschädigung müsse es schon ab 30 Minuten Zugverspätung geben. "Was jetzt geplant ist bedeutet: Wer 55 Minuten Verspätung ertragen muss, bekommt gar nichts - das ist ein Unding."

Bislang bekommt der Bahnkunde bei "extremer Verspätung" im Fernverkehr ein Fünftel des Preises in Form eines Ticket-Gutschein zurück.

manager-magazin.de mit Material von ap

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