Mittwoch, 24. Juli 2019

Malik-Kolumne Mit Best Practice in den Bankrott?

Corporate Governance nach den Maßstäben sogenannter "Best Practice", wie sie in Corporate Governance Codes festgeschrieben ist, kann direkt in den Bankrott führen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das geschieht, ist nicht gering.

Solange keine klaren inhaltlichen Vorstellungen darüber existieren, was richtige und gute Unternehmensführung ist - darüber findet sich kaum etwas in den Governance Codes - wird Best Practice vom jeweiligen Zeitgeist definiert: Von der momentanen Wirtschaftslage, von den Finanzmärkten und von dem, was Medien für "Best" halten, und wonach sie daher in ihrer Berichterstattung Manager be- und verurteilen.

Ex-UBS-Chairman Marcel Ospel: Mit "Best Practice" in den unternehmerischen Misserfolg
Insoweit nicht inhaltlich klar gestellt ist, was richtige Unternehmensführung ist, ist "Best Practice" von heute "Worst Practice" von morgen, und solange auf verbindliche Kriterien verzichtet wird, ist "Best Practice" Mode und Mainstream. "Best Practice" ist dann das, was die Mehrheit tut. In der Wirtschaft ist das auf Dauer selten erfolgreich.

Formale Regeln der Corporate Governance Codes sind zwar wichtig, aber sie genügen nicht. Wenn Corporate Governance nicht an den Inhalten richtiger Unternehmensführung orientiert ist, muss sie sich zwangsläufig in formale Allgemeinplätze flüchten. Anders kann man sie dann nicht gestalten.

Richtiges Management kann formuliert, gelehrt und gelernt werden

Entgegen verbreiteter Auffassung kann die inhaltliche Bestimmung richtiger und guter Unternehmensführung problemlos geleistet werden, und zwar für alle relevanten Felder, nämlich Unternehmenspolitik, Unternehmensstrategie, Unternehmensstruktur und Unternehmenskultur. Ausserdem kann genau gesagt werden, worin richtige und gute Menschenführung besteht und wie man diese handwerklich-professionell umsetzt.

Die Tragik der unter dem Druck von Wallstreet-Skandalen entstandenen Corporate Governance ist, dass sie unbeabsichtigt Vorschub leistet für schlechte, zum Teil falsche Unternehmensführung. Unter anderem bestärkte die aktuelle Corporate Governance den grössten Irrweg der neueren Wirtschaftsgeschichte, nämlich die Orientierung am Shareholder-Value.

Weiter ermöglichte und forcierte sie in vielen Fällen die Beförderung ungeeigneter Personen an die Unternehmensspitze, nämlich den Typus des geldgetriebenen Managers, der die Welt, sich selbst und sein Handeln nur in Geldkategorien wahrnehmen und bewerten kann.

Heutige Coporate Governance legitimiert den "performance related turnover" von CEOs, der seit Mitte der 1990er um mehrere hundert Prozent zugenommen hat, wobei unter Performance praktisch ausschliesslich Finanzperformance gemeint ist. Dass diese bei den heutigen Renditeerwartungen regelmässig die Investitions- und Innovationskraft des Unternehmens schädigt, bleibt unbeachtet, denn dafür haben die Corporate Governance Codes kein Regulativ.

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