Vertrauensranking Warum die Commerzbank so gut ankommt

Der raue Wind der Finanzmärkte hat die Flotte der deutschen Banken schwer erwischt. Doch ausgerechnet die Commerzbank, lange als Übernahmekandidat gehandelt, genießt hohes Vertrauen. Das könnte im Zuge der angestrebten Fusion mit Postbank und Dresdner verloren gehen, prophezeien die Forscher des Vertrauensrankings CTI.
Von Simon Schulz

Berlin - Die SachsenLB ist schon untergegangen. Die Hypo Real Estate  ist vom Kurs abgekommen. Mit schwerer Schlagseite haben IKB  und die ohnehin morsche WestLB zu kämpfen. Auch einer BayernLB könnten bald Mast- und Schotbruch drohen. Die Allianz  wurde vom eigenen Beiboot Dresdner Bank schwer gerammt. Und beim Flaggschiff Deutsche Bank  hegt Investmentbanking-Co-Chef Anshu Jain Zweifel, ob der Zweckoptimismus von Kapitän Josef Ackermann weiterhin angebracht ist ("Die Welt" vom 5. Juni).

Shootingstar Ackermann: Die Deutsche Bank hat sich im aktuellen CTI-Vertrauensranking der Dax-Konzerne auf Rang eins katapultiert. Vor drei Wochen lag das Institut noch auf Platz 24. Volkswagen rutschte auf Rang vier und damit hinter die Commerzbank, die den dritten Platz hielt. Neues Schlusslicht in der Tabelle ist die Deutsche Telekom. Die Berichte über die Spitzelaffäre haben dem Unternehmen einen gigantischen Vertrauensverlust beschert.

Shootingstar Ackermann: Die Deutsche Bank hat sich im aktuellen CTI-Vertrauensranking der Dax-Konzerne auf Rang eins katapultiert. Vor drei Wochen lag das Institut noch auf Platz 24. Volkswagen rutschte auf Rang vier und damit hinter die Commerzbank, die den dritten Platz hielt. Neues Schlusslicht in der Tabelle ist die Deutsche Telekom. Die Berichte über die Spitzelaffäre haben dem Unternehmen einen gigantischen Vertrauensverlust beschert.

Foto: [M] DPA; DDP; mm.de

Der Sturm der Finanzkrise setzt den deutschen Banken ordentlich zu. Doch was ist mit der Commerzbank , die eigentlich schon längst unter fremder Flagge segeln sollte? Sie wechselt bei Wind und Wetter den Kapitän und schickt sich an, unbeirrt von den Turbulenzen, eine entscheidende Rolle bei der Neuordnung des Flottenverbands zu spielen.

Die relativ ruhige See, in der sich die Commerzbank derzeit befindet, spiegelt sich auch im Corporate Trust Index (CTI) wieder, mit dem die PMG Presse-Monitor GmbH  und die Universität Leipzig  das öffentliche Vertrauen zu den Dax-Konzernen in 13 deutschen Meinungsführermedien misst (siehe Methode).

Seit Jahresanfang liegt das Frankfurter Bankhaus im Gesamtranking jeweils unter den Top Ten der deutschen Konzerne mit dem höchsten öffentlichen Vertrauen. Aktuell nimmt die Commerzbank Platz drei mit einem CTI-Wert von insgesamt 19,8 Zählern ein – auf einer Skala von 100 bis minus 150. Zum Vergleich: Während die Deutsche Bank zum Jahresanfang noch den ersten Platz im CTI-Ranking belegte, rutschte sie zeitweise bis auf Platz 28 ab.

Aktuell profitiert die Commerzbank insbesondere von guten Noten in den Bereichen Problemlösungs- und Fachkompetenz. "Hier spiegelt sich die erfolgreiche Bilanz des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und neuen Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller wider", analysiert Professor Ansgar Zerfaß von der Universität Leipzig. "Mit seinem sachorientierten Kommunikationsstil hat er bei den Medien gepunktet."

Kassow liefert - und macht Punkte

Kassow liefert - und macht Punkte

Müller gelang es ab 2001, den ewigen Übernahmekandidaten Commerzbank aus der Krise zu führen und "zurück in die Erfolgsspur" zu bringen ("Süddeutsche Zeitung" vom 28. Mai). Und damit nicht genug. "Wir wollen zur echten Nummer eins auf dem deutschen Markt werden", teilte Müller auf der Hauptversammlung am 15. Mai mit und gab somit gleich einen Einblick in seine Agenda als neuer Aufsichtsratsvorsitzender.

Während Konkurrenten wie Dresdner Bank und HypoVereinsbank ihre Selbstständigkeit aufgaben beziehungsweise aufgeben mussten, konnte Klaus-Peter Müller die Bereiche Mittelstand und Immobilienfinanzierung stärken und so die Eigenständigkeit der gelben Frankfurter bewahren. Bis jetzt. Denn die Finanzmarktkrise übt einen enormen Konsolidierungsdruck auf die deutschen Banken aus. Zwar zeigt sich, dass sich das Geschäftsmodell der Commerzbank in der Krise bewährt hat, doch gilt sie immer noch als zu klein, "um auf Dauer allein bleiben zu können." ("Finacial Times Deutschland" (FTD) vom 27. Mai.)

Insbesondere im Privatkundengeschäft ist die Commerzbank mit einem Marktanteil von rund 3 Prozent immer noch zu schwach aufgestellt. Mit einer aggressiven Wachstumsinitiative versucht das Institut seit Anfang 2007 dieses Problem aus eigener Kraft anzugehen - mit beachtlichem Erfolg.

So konnte Privatkundenvorstand Achim Kassow am Donnerstag vergangener Woche (13. Juni) verkünden, die Zielvorgaben für 2009 schon in diesem Sommer zu erfüllen. Folglich erreichte die Commerzbank am darauffolgenden Tag in der Berichterstattung mit knapp sechs Zählern ihren höchsten CTI-Wert im Analysezeitraum.

Allerdings wird ein kostenloses Girokonto und die Hoffnung auf Cross-Selling-Effekte allein diese Schwachstelle der Commerzbank nicht beheben. Um eine kritische Größe im deutschen Privatkundengeschäft zu erreichen, kommen die Frankfurter um Zukäufe nicht herum ("FTD" vom 13. Juni). Und dabei könnte die Commerzbank von dem Druck zu Konsolidierung, den die Finanzmarktkrise verstärkt, profitieren.

Mega-Merger birgt Risiken

Mega-Merger birgt Risiken

Derzeit stehen mit Postbank , Citibank und Dresdner Bank drei Institute mit attraktivem Privatkundengeschäft zum Verkauf. Ein Zusammenschluss mit der Dresdner Bank, wäre sowohl für die Commerzbank als auch die Allianz eine Kombination mit "Charme". Die Frankfurter könnten so eine "annehmliche Größe" im Privatkundengeschäft erreichen und hätten sich von der Rolle eines Übernahmekandidaten befreit. Im Gegenzug gelänge es so Michael Diekmann und der Allianz, "einen halbwegs gesichtswahrenden Abschied aus ihrem geldvernichtenden Ausflug in die Bankenwelt" einzuleiten. ("Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) vom 13. Juni.)

Auch ein Dreierbündnis von Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank wäre für beide CEOs ein "Befreiungsschlag" ("Handelsblatt" vom 12. Juni). Allerdings würde eine solche Mammutfusion mehrere Stolpersteine beinhalten. Neben der Bindung der drei Banken an eigene Versicherungspartner - die Dresdner ist an die Allianz gebunden, die Postbank an HDI und die Commerzbank an Generali  – kommt hinzu, dass, um die notwendigen Synergieeffekte zu erreichen, laut Verdi bis zu 20.000 Stellen wegfallen könnten. Die Gewerkschaft hat schon vorsichtshalber entsprechende Proteste angekündigt. ("FAZ" vom 13. Juni.)

Es stellt sich auch die Frage nach der Führung des neuen deutschen Spitzeninstituts. Hier scheint der neue CEO der Commerzbank ein aussichtsreicher Kandidat zu sein. Allerdings hegt die Postbank-Spitze "eine innige Abneigung gegen Martin Blessing, den sie für arrogant hält und dem sie vorwirft, die Postbank systematisch schlechtzureden" (manager magazin vom 30. Mai). Nicht die besten Startbedingungen für eine mögliche Ehe.

Aus Sicht des Corporate-Trust-Index beinhaltet somit dieser "Mega-Merger" ("Handelsblatt" vom 12. Juni) für die beteiligten Banken eine nachhaltige Herausforderung. Für die Commerzbank und Blessing bedeutet dies konkret, sich im Konsolidierungsprozess als fairer Partner und verantwortungsvoller Arbeitgeber zu positionieren, um auch im Bereich des öffentlichen Vertrauens von dem Druck zur Konsolidierung profitieren zu können.

"Der Erfolg einer solchen Fusion hängt ganz entscheidend von der begleitenden Kommunikationsstrategie ab", sagt Medienexperte Zerfaß. "Ohne öffentliche Akzeptanz ist der neue Geleitzug nicht auf Kurs zu halten".

Simon Schulz ist Medienanalyst und Consultant bei der PMG Presse-Monitor GmbH. Das Unternehmen untersucht die Vertrauensfaktoren, wie sie in den meinungsführenden Medien kommuniziert werden. Dabei kooperiert PMG mit den Kommunikationsmanagement-Experten, Professor Günter Bentele und Professor Ansgar Zerfaß vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig.

Aktuelles CTI-Ranking - die Dax-Konzerne

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