Rürups Rentenkritik "Eine Rolle rückwärts"

Die Frühverrentung sei eine Abkehr von der Agenda 2010, warnt der Wirtschaftsweise Bert Rürup. Denn alle Deutschen müssten länger arbeiten. "Man beginnt, das Erreichte zu verspielen."

Berlin - Der Wirtschaftsweise Bert Rürup bewertet die Rentenpläne der SPD als grundlegend falsch. "Es ist ein Anlauf zu einer Rolle rückwärts", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung am Mittwoch im Deutschlandfunk.

Die Rente mit 67 sei die letzte wichtigste Reform gewesen, um die gesetzliche Rentenversicherung gegen die zunehmende Veralterung der Gesellschaft abzusichern. Es gehe um das entscheidende sozialpolitische Leuchtturmprojekt der großen Koalition. "Man kann es drehen und wenden wie man will, das ist eine Distanzierung von diesem Konzept, welches darauf abzielt, dass wir alle länger arbeiten sollen, ja arbeiten müssen."

Die SPD strebt eine Verlängerung der Altersteilzeit über 2009 hinaus und das Vorziehen der Teilrente noch vor der Bundestagswahl 2009 an. Allerdings sollen für ausscheidende Arbeitnehmer, die die vorgezogenen Rente in Anspruch nehmen, jüngere eingestellt werden. "Es ist falsch zu glauben, dass - wenn man jetzt den Älteren einen früheren Ausstieg ermöglicht - dass die Jüngeren bessere Beschäftigungschancen haben", sagte Rürup. In europäischen Nachbarländern mit einer höheren Beschäftigungsquote älterer Menschen seien auch mehr Jüngere in Arbeit.

Mit Blick auf die Agenda 2010, die in Deutschland einen deutlichen Modernisierungsschub eingeleitet habe, warnte Rürup mit deutlichen Worten: "Man beginnt, das Erreichte zu verspielen."

manager-magazin.de mit Material von reuters