Ölpreis Murren und Bohren

Der hohe Ölpreis macht drei Viertel der deutschen Manager nervös. Aber auch bei den Amerikanern liegen die Nerven blank. Präsident Georg W. Bush will überall nach dem Rohstoff bohren lassen und eine Abgeordnetengruppe plant, sich über die Opec bei der WTO zu beschweren.

Düsseldorf - Der Ölpreis ist hoch. Und die deutsche Wirtschaft richtet sich darauf ein, in Zukunft noch mehr für Rohöl bezahlen zu müssen. Drei Viertel der Manager rechnen in den nächsten zwei Jahren mit einem Preis von mehr als 150 US-Dollar je Barrel (rund 159 Liter), knapp die Hälfte erwartet sogar ein Niveau oberhalb von 180 US-Dollar.

Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Psephos und der Unternehmensberatung Droege & Comp unter mehr als 500 Topmanagern.

Einzelne Wirtschaftszweige, wie etwa die Luftfahrtbranche, sehen ihr Geschäft als "stark belastet" an. Das trifft ebenso für die Energie- und die Chemiebranche zu. Auch die Automobilindustrie leidet naturgemäß unter den hohen Spritpreisen.

Ein wachsender Teil der Unternehmen schafft es bislang offenbar, die erhöhte Ölrechnung an ihre Kundschaft zum Teil weiterzureichen - wie es ihnen die Tankstellen exemplarisch vormachen. Fast 44 Prozent der Befragten gaben an, dass dies mehr oder weniger vollständig gelingt. Und der Anteil jener Firmen, die dazu nicht in der Lage sind, sank innerhalb von zwei Jahren von 49 auf 39 Prozent.

Dass derartiger Spielraum nicht unbegrenzt vorhanden ist, machte BDI-Chef Jürgen Thumann klar. Er warnte davor, dass weiter steigende Preise für Öl, Gas und Strom gerade für energieintensive Betriebe zu " einer echten Belastung" werden könnten. Diese dürften durch Klimaauflagen der EU keinesfalls weiter verstärkt werden, fordert der Verbandschef.

Und die Opec?

Und die Opec?

Immerhin, der US-Ölpreis ist am Mittwoch leicht gesunken. Im frühen Handel kostete ein Barrel US-Leichtöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Juli-Auslieferung 133,36 US-Dollar. Das waren 65 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Damit notiert der WTI-Preis weiterhin unter seinem Rekordstand von knapp 140 Dollar, der am Montag erreicht wurde.

Händler begründeten den leichten Preisrückgang mit Gewinnmitnahmen. Immer stärker in den Fokus rücke unterdessen das Gipfeltreffen am kommenden Wochenende, hieß es. Auf Initiative Saudi-Arabiens werden sich wichtige Produzentenländer und Industrienationen im saudi-arabischen Dschidda treffen, um über die hohen Ölpreise zu beraten.

Im Vorfeld dieses Treffens hatte Gastgeber Saudi-Arabien - ölreichstes Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (OEPC) - eine Produktionsausweitung um insgesamt 500.000 Barrel angekündigt. Kritisiert wurde der Schritt unterdessen vom zweitmächtigsten Opec-Staat Iran.

Kritik kommt auch vom größten Ölkonsumenten der Welt. Die US-Regierung soll mit Blick auf den hohen Ölpreis nach dem Willen einer Gruppe von Senatoren eine formelle Beschwerde gegen die Opec bei der Welthandelsorganisation (WTO) einreichen. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) verstoße gegen den freien Welthandel, weil sie als Kartell die globalen Ölvorräte knapp halte, erklärten die elf Senatoren. Zehn der Beschwerdeführer gehören der Demokratischen Partei an, einer ist ein Unabhängiger.

Die acht Opec-Mitglieder, die auch der WTO angehörten, müssten zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte der Anführer der Gruppe, Senator Frank Lautenberg, in einem Brief an die US-Handelsbeauftragte Susan Schwab. Deren Sprecherin Gretchen Hamel erklärte, man habe bereits über einen derartigen Schritt nachgedacht, halte ihn aber für nicht effektiv.

Derweil zieht US-Präsident George W. Bush wieder seine alten Pläne aus der Schublade, die das Erschließen neuer Ölfelder vor der amerikanischen Küste zum Ziel haben. Bush wolle den Kongress am Mittwoch offiziell auffordern, das bestehende Bohr-Moratorium zu beenden, sagte seine Sprecherin Dana Perino der Nachrichtenagentur AP. Bush wolle dabei auch seine Forderung bekräftigen, mit der Ölförderung in einem Naturschutzgebiet in Alaska beginnen. Naturschützer laufen seit Jahren Sturm gegen dieses Vorhaben. Das Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) liegt in einer Küstenebene und ist Lebensraum für Millionen Zugvögel, Karibus und andere Tiere.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx und ddp