Einzelhandel Stärkster Preisanstieg seit zehn Jahren

2008 werde der deutsche Einzelhandel die Preise so stark anheben wie seit zehn Jahren nicht, sagt Josef Sanktjohanser. Nun ist die Politik am Zug. Mehr Netto fordert der Präsident des Branchenverbandes HDE.

Berlin - Der Einzelhandel wird seine Preise 2008 so stark anheben wie seit über zehn Jahren nicht mehr. "Wir müssen mit einer Teuerung von deutlich über 2 Prozent rechnen", sagte der Präsident des Branchenverbandes HDE, Josef Sanktjohanser, am Dienstag in einem Gespräch mit Reuters. Von Januar bis Mai zogen die Preise mit rund 3 Prozent fast doppelt so schnell an wie im Jahresschnitt 2007 mit 1,6 Prozent.

Die Geschäfte würden damit aber nur einen Teil ihrer gestiegenen Einkaufskosten an die Verbraucher weiterreichen. Das gehe zu Lasten der Gewinne und zwinge erneut viele Geschäfte zur Aufgabe. Sanktjohanser begründete die Teuerung vor allem mit explodierenden Preisen für viele Lebensmittel. "Bei Agrarprodukten wird es auch künftig zu großen Schwankungen kommen", sagte der Chef des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). In den anderen Bereichen herrsche dagegen weitgehend Stabilität.

Die höheren Einkaufspreise bei Produzenten und Großhändlern würden aber nicht eins zu eins beim Verbraucher ankommen. Mehr als die Hälfte der Teuerung im Großhandel - die im Mai mit 8,1 Prozent den höchsten Wert seit 1982 erreichte - fange der Einzelhandel auf. "Der Wettbewerb in unserer Branche ist nach wie vor sehr hoch", sagte Sanktjohanser. "Er sorgt dafür, dass die stark steigenden Großhandelspreise nur gedämpft beim Verbraucher ankommen." Die Gewinnsituation im Einzelhandel bleibt deshalb nach den Worten Sanktjohansers angespannt. Die Rendite verharre auf niedrigem Niveau. Viele Geschäfte seien sogar zur Aufgabe gezwungen.

Schon 2007 verharrte die Zahl der Insolvenzen mit 3500 auf einem hohen Niveau. "Die Situation wird sich in diesem Jahr nicht bessern", sagte Sanktjohanser. Auch wegen der starken Teuerung ist der Umsatz bislang hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Bis Ende April liegt das Umsatzplus erst knapp bei der Hälfte dessen, was wir in diesem Jahr erreichen wollen", sagte Sanktjohanser. In den ersten vier Monaten nahm der Einzelhandel 0,8 Prozent mehr ein. Im Mai, für den noch keine Zahlen vom Statistischen Bundesamt vorliegen, sei die Entwicklung ähnlich verlaufen. "Zumindest hat sich keine Verschlechterung eingestellt", sagte der HDE-Präsident.

Für 2008 erwartet der Verband ein Umsatzplus von zwei Prozent auf 404 Milliarden Euro. Preisbereinigt bliebe aber ein Minus. Bessere Geschäfte verspricht sich der HDE bei einer Entlastung der Verbraucher durch niedrigere Steuern und Abgaben. "Mehr Netto ist das Stichwort", sagte Sanktjohanser. Allein die schleichenden Steuererhöhungen - die sogenannte kalte Progression - entziehe Kaufkraft in Höhe von vier Milliarden Euro. Arbeitnehmer und Leistungsträger müssten durch niedrigere Steuern und Abgaben entlastet werden. Für untere Lohngruppen schlägt der HDE eine negative Einkommenssteuer vor.

manager-magazin.de mit Material von reuters