Oetker Kein Interesse an Hapag-Lloyd

Der Familienkonzern Oetker präsentiert eine Wachstumsbilanz. Das Konglomerat will weiter zukaufen. Die Tui-Reederei Hapag-Lloyd hält Patriarch August Oetker aber nicht für ein lohnendes Ziel - eine klare Absage an die "Hamburger Lösung".

Bielefeld - Die Bielefelder Oetker-Gruppe hat ihren Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um 8,4 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Euro gesteigert. Das sagte der persönlich haftende Gesellschafter des Familienkonzerns, August Oetker, am Dienstag in Bielefeld.

"Alle Geschäftsbereiche konnten ihre Stärken ausspielen, sodass nahezu alle Ziele erreicht und teilweise sogar übertroffen werden konnten", sagte Oetker. Größter Geschäftsbereich des Familienkonzerns waren die Nahrungsmittel (Dr. Oetker), wozu auch die Biersparte (Radeberger) gehört, mit 48,5 Prozent vor der Reedereisparte (Hamburg Süd-Gruppe) mit 46,4 Prozent. Zum Ergebnis macht Oetker traditionell keine Angaben.

Ein Kauf der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd steht für Oetker derzeit nicht auf der Agenda. Das sei "kein Thema", sagte Oetker: "Für uns ist das keine Priorität." Der Reisekonzern Tui will auf Druck von Anteilseignern seine Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd verkaufen und sucht derzeit im Ausland nach Investoren. Die Belegschaft von Hapag-Lloyd setzt sich für einen Verbleib der Reederei in der Hansestadt ein und plädiert für die "Hamburger Lösung": Eine Gruppe um den Bankier Christian Olearius und den Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne will durch ein Gebot den Wegzug verhindern.

Die Oetker-Reederei Hamburg Süd war in Medienberichten als möglicher Bieter für die zum Verkauf stehende Tui-Tochter genannt worden. "In dieser Gesprächssituation sehe ich das nicht", sagte Oetker. Hamburg Süd könne sich alleine entwickeln. "Wenn man dann hört, dass man zwischen drei und fünf Milliarden Euro zahlen soll, dann fragt man sich, wofür eigentlich", sagte Oetker.

Die Reederei Hamburg Süd erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 12,4 Prozent auf fast 3,6 Milliarden Euro. Angetrieben vom globalen Wirtschaftswachstum legten die verschifften Containermengen weltweit um knapp 11 Prozent zu, bei Hamburg Süd sogar um 17 Prozent. Der Gewinn habe sich wegen der stark gestiegenen Kosten insbesondere für Treibstoff nicht so stark entwickelt, sagte Oetker.

Die Oetker-Gruppe erhöht mit einem Zukauf ihren Absatz von Tiefkühlpizza in Osteuropa. Oetker übernehme das Pizza-Geschäft der norwegischen Orkla Brands in Tschechien und in der Slowakei, teilte die Gruppe mit. Vom tschechischen Werk aus würden auch Polen, Ungarn, Rumänien und Estland mit Pizza und Pizza-Snacks beliefert. Der Umsatz belaufe sich insgesamt auf rund 10,5 Millionen Euro. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Im Tiefkühlpizza-Geschäft sieht sich Oetker in Europa mit einem Anteil von 26 Prozent als Marktführer.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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