Deutschland Zufriedenheit als Ausnahme

Fast 75 Prozent der Deutschen finden die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland nicht gerecht. Das betrifft die Verteilung des Vermögens, aber auch die Einkommensverhältnisse. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Erhebung der Bertelsmann Stiftung.

Gütersloh - Fast drei Viertel der Bundesbürger halten die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland für ungerecht. Nur jeder Achte empfindet die Verteilung von Einkommen und Vermögen im Großen und Ganzen als gerecht, wie aus einer am Montag in Gütersloh veröffentlichten Umfrage der Bertelsmann Stiftung hervorgeht.

Das Urteil der Bundesbürger fällt damit trotz des jüngsten Wirtschaftsaufschwungs deutlich schlechter aus als noch vor wenigen Jahren. Im Jahr 2005 hatte lediglich die Hälfte der Befragten die Situation in Deutschland als ungerecht bezeichnet, mehr als ein Viertel bewertete sie als gerecht. 1995 lagen die Befürworter und Kritiker der deutschen Verhältnisse sogar noch nahezu gleichauf.

Bei der aktuellen Umfrage klagten nicht nur die Anhänger der Linken, der SPD und der Grünen über eine Gerechtigkeitslücke. Auch die Mehrheit der Anhänger von CDU/CSU und FDP finden die Situation nicht gerecht. Besonders negativ fiel das Urteil über die Erfolge der sozialen Marktwirtschaft in Ostdeutschland und in den unteren Einkommensklassen aus. Doch auch mehr als 60 Prozent der Bundesbürger mit höheren Einkommen erklärten, sie empfänden die Situation als ungerecht.

Wo die Bürger die Schwachpunkte der sozialen Marktwirtschaft sehen, wurde auch in der Umfrage deutlich. Deutliche Kritik gab es etwa an der zunehmenden Verbreitung von Niedriglöhnen. Rund 82 Prozent der Bevölkerung erklärten, Menschen mit Vollzeitbeschäftigung sollten genug verdienen, um davon leben zu können.

Mehr als 90 Prozent der Menschen stimmten der Forderung zu, der Staat solle mehr Geld für Bildung ausgeben, um Kinder aus sozial schwachen Familien und individuelle Begabungen stärker zu fördern. Rund 84 Prozent plädierten dafür, dass die Leistungen des Gesundheitssystems für alle verfügbar und bezahlbar sein sollten. Drei Viertel der Befragten befürworteten eine Vereinfachung des Steuersystems. Fast 70 Prozent stimmten dem Vorschlag zu, Unternehmen bei Verstößen gegen Arbeitsrecht, Umweltschutz oder Menschenrechte keine öffentlichen Aufträge mehr zu erteilen.

Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach befragte für die Erhebung im Mai insgesamt 1800 Bundesbürger.

manager-magazin.de mit Material von ap

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.