Konjunktur Bremsspuren in Deutschland

Unter anderem der starke Euro bremst die deutsche Wirtschaft, so das Ergebnis der Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Dennoch rechnet der Verband in diesem Jahr mit einer BIP-Steigerung von 2,3 Prozent - das Institut der deutschen Wirtschaft geht von 2,5 Prozent aus.

Berlin - Die deutsche Konjunktur weist nach einer DIHK-Umfrage angesichts der Preisexplosion bei Energie- und Nahrungsmitteln sowie des starken Euro deutliche Bremsspuren auf. Die Geschäftslage wurde im Frühsommer von den mehr als 20.000 befragten Firmen zum vierten Mal in Folge ungünstiger beurteilt, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Montag mit.

Das markiere eine "Abkühlung", aber noch keinen "eisigen Wind". In den kommenden zwölf Monate werde der Aufschwung deutlich an Fahrt verlieren. Zum dritten Mal in Folge verschlechterten sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen. Zudem mehrten sich aus Sicht der Firmen die Anzeichen für steigende Notenbankzinsen. Der starke Euro dämpfe die Exportwirtschaft. Der DIHK sprach außerdem von einer "Rückkehr der Inflation".

Zwar zeigten sich die Unternehmen unter dem Strich pessimistischer, doch halte sich die Stimmungsverschlechterung noch in Grenzen, schrieb der DIHK zu seiner drei Mal jährlich veröffentlichten Umfrage. So werde das Export-Wachstum zwar schwächer, reiße aber nicht ab. Der Stellenaufbau setze sich fort, verlangsame sich aber.

Dennoch erhöht der DIHK seine Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr. Der Verband rechnet nun mit einem Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt von 2,3 Prozent nach bislang 2 Prozent. "2009 wird es wohl angesichts der Tempoverringerung nur noch für eine schwache Eins vor dem Komma reichen", ergänzte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Montag laut Redetext.

Die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr voraussichtlich um rund 500.000 zunehmen. Bei den privaten Konsumausgaben rechnet der DIHK mit einem Plus von einem Prozent, bei den Bruttoanlageinvestitionen mit einem Zuwachs von 5,6 Prozent, erklärte der Verband weiter. Beim Export sei mit einem Zuwachs von sieben Prozent zu rechnen, beim Import von 7,5 Prozent. Für Ausrüstungen erwartet der DIHK ein Plus von sieben Prozent in 2008. DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier sagte, der starke Euro, das Abflauen der Weltkonjunktur sowie Rekordstände beim Öl setzten den Unternehmen weniger zu als es früher bei ähnlichen Konstellationen zu erwarten gewesen sei.

IW korrigiert Prognose nach oben

Beim Konsum spricht der Verband von einer "zaghaften" Belebung. Die Verbraucher bewegten sich zwischen "Hoffen und Bangen": Einer besseren Arbeitsmarktlage stünden spürbar steigende Preise gegenüber. Für die Rückkehr der Inflation nannte der DIHK mehrere Gründe. Zum einen gebe es steigende Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise aufgrund einer stärkeren weltweiten Nachfrage, gerade aus Schwellenländern. Bei Öl machten sich zudem steigende Förder- und Explorationskosten bemerkbar.

Daneben weist der DIHK auf die hohe Geldversorgung durch die Zentralbanken hin, was die Preise treibe. Die Sorgen vor Verschlechterungen des Standortes Deutschland nimmt laut DIHK zu. Gründe seien absehbar steigende Lohnzusatzkosten, das Ende des moderaten Lohnanstiegs und die Gegenfinanzierung für die Unternehmenssteuerreform. Viele Unternehmen seien gewappnet, den Weg ins Ausland zu gehen, wenn die Bedingungen sich weiter verschlechterten.

In der Umfrage beurteilten im Frühsommer 38 (Jahresbeginn 42) Prozent der Firmen ihre Lage als gut, 48 (46) Prozent als befriedigend und 14 (zwölf) Prozent als schlecht. Gefragt nach den Erwartungen sprachen 23 (26) Prozent von einem besseren Geschäft, 60 (58) Prozent erwarten ein gleich bleibendes und 17 (16) Prozent ein schlechteres Geschäft.

IW korrigiert Prognose nach oben

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat unterdessen seine Konjunkturprognose für dieses Jahr nach oben korrigiert. Aktuell gehe es von einem realen Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent aus, teilte das arbeitgebernahe Institut mit.

Im April hatten die Experten für 2008 noch ein Wachstum von nur 1,7 Prozent prognostiziert. Wesentlicher Grund für die günstigere Einschätzung sei "das rasante Tempo, mit dem die deutsche Wirtschaft ins Jahr 2008 gestartet ist". Das Bruttoinlandsprodukt hatte im im ersten Quartal trotz Euro-Höhenfluges und Finanzkrise um real 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt.

manager-magazin.de mit reuters, dpa

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