Autobranche Abgasreduktion - aber wie?

Der Kohlendioxidausstoß von Autos soll gesenkt werden. Aber wie? Bei Daimler sieht man die Politik und die EU in der Pflicht, die die Regelungen vereinheitlichen sollten. Bei Volkswagen meint man, die Zukunft gehöre dem Elektroauto. Doch dazu müsste die Politik erneut über Atomenergie nachdenken.

Stuttgart/Wolfsburg - Der Chef der Nutzfahrzeug-Sparte von Daimler , Andreas Renschler hat sich für eine baldige weltweite Vereinheitlichung der Abgasnormen ausgesprochen. Den "Stuttgarter Nachrichten" sagte er, die unterschiedlichen Abgasbestimmungen in den einzelnen Märkten stellten ein gewichtiges Problem für alle Hersteller dar. Am 1. Januar 2010 komme in den USA schon die nächste Verschärfung mit der Norm EPA-10.

Renschler sagte, in Europa stehe die Norm Euro-6 an, und in Japan gebe es wieder eine andere Vorschrift. Dadurch müssten die Hersteller für jede Region die Planung und Entwicklung separat machen. "Wir versuchen deshalb in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern, der WTO sowie den Behörden in der EU und den USA, einen Weltstandard zu schaffen. Bislang brauchen wir immense Mittel, um in jedem Markt im Prinzip ähnliche Werte umzusetzen, dies belastet jeden von uns und natürlich auch die Kunden", sagte Renschler dem Blatt. Sich einfach an der schärfsten Version zu orientieren, reiche nicht, da die Vorschriften in jeder Region oder jedem Land anders ausgelegt würden und die Testverfahren damit unterschiedlich seien.

"Jeder dieser Testzyklen (Zertifizierungsmodus) macht eine komplett unterschiedliche Entwicklung des Motors und des Abgassystems notwendig. Deshalb ist es so wichtig, dass hier bald eine Harmonisierung erfolgt", wird das Daimler-Vorstandsmitglied zitiert.

Wegen der hohen Öl- und Benzinpreise werden die Autohersteller immer sparsamere Autos bauen und künftig auch elektrisch betriebene Fahrzeuge herstellen. Das sagt der Vorstandsvorsitzende des Autokonzern Volkswagen , Martin Winterkorn, der "Bild"-Zeitung. "Wir müssen den Verbrauch der Motoren weiter senken. Mein Ziel ist ein Golf, der zwischen drei und vier Liter auf 100 Kilometer verbraucht, mit dem Golf Blue Motion liegen wir heute bei 4,3 Liter", erklärte Winterkorn. In den nächsten Jahren sei am Benzin- und Dieselmotor nicht vorbeizukommen. "Aber die Zukunft gehört dem Elektroauto - mit Strom aus der Steckdose", sagte Winterkorn. Der VW-Chef regte aus diesem Grund für eine neue Debatte über die Kernkraftnutzung an. Strom falle nicht vom Himmel, "deshalb sollten wir über Atomkraft neu nachdenken", sagte der Manager.

Winterkorn kritisierte zudem die politischen Debatten um den Klimaschutz scharf. "Die deutsche Autoindustrie leidet unter den unklaren Vorgaben der Politik", sagte Winterkorn. "Die Menschen wissen nicht, was auf sie zukommt, ob sie künftig mehr oder weniger Autosteuer zahlen müssen. Das verunsichert die Autofahrer sehr."

Der VW-Chef erklärte, viele würden die Entscheidung für ein neues Auto deshalb "bewusst" immer weiter verschieben. "Das sieht man daran, dass das Durchschnittsalter der Autos auf deutschen Straßen bei fast neun Jahren liegt. Das ist natürlich schlecht für die ganze Branche - und für unsere Umwelt. Denn wären die Autos auf unseren Straßen nur ein Jahr jünger und moderner, würde das allein schon 800 Millionen Liter Sprit sparen", sagte Winterkorn.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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