Rohstoffe G8 spüren Spekulanten nach

Die steigenden Rohstoffpreise bedrohen nach Ansicht der Finanzminister der führenden Industrienationen ernsthaft das weltweite Wirtschaftswachstum. Aber wer ist Schuld am teuren Öl? Die Gruppe der G-8-Staaten will die Frage jetzt klären. In Osaka appellierten die Minister zudem an die Ölförderer, ihre Produktion zu erhöhen.

Osaka/New York - Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Internationale Energieagentur (IEA) sollen die Rolle von Spekulationen beim Anstieg der Ölpreise überprüfen. Darauf verständigten sich die Finanzminister der sieben größten Industrieländer und Russlands (G8) am Samstag zum Abschluss zweitägiger Beratungen im japanischen Osaka. Man habe "intensiv" über den möglichen Anteil von Spekulationen auf die Energiepreisentwicklung gesprochen, sagte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow. "Das Problem ist, alle haben den Eindruck, das spielt eine Rolle. Niemand kann es wirklich greifen und quantifizieren."

Ehe Schlussfolgerungen gezogen würden, "muss man erstmal wissen, was Sache ist", sagte Mirow nach Abschluss der Beratungen zu Journalisten. Daher seien IWF und IEA beauftragt worden, diese Frage genau zu analysieren. Bei der Jahrestagung des IWF im Oktober soll es dazu einen Bericht geben. Es habe bei der Finanzministertagung in Osaka keine Debatte über eventuelle wirtschaftspolitische Maßnahmen gegeben, sagte Mirow. Erstmal müsse man ein genaueres Bild haben.

Die hohen Rohstoffpreise stellen nach Ansicht der G-8-Finanzminister eine ernste Bedrohung für das weltweite Wirtschaftswachstum dar. Das geht aus der Abschlusserklärung der Minister hervor. Darin verweisen sie insbesondere auf die hohen Öl- und Lebensmittelpreise sowie auf die dadurch gewachsenen allgemeinen Inflationsgefahren.

Die Weltwirtschaft bleibe einer gewissen Unsicherheit ausgesetzt, erklären die Finanzminister weiter. Sie zeigen sich aber optimistisch, dass diesem Trend langfristig sowohl die Industriestaaten als auch die Entwicklungsländer gewachsen seien. Die steigenden Öl- und Nahrungsmittelpreise und die dadurch allerorts stark beschleunigte Teuerungsentwicklung rangierten auf der Themenliste des G-8-Finanzministertreffens ganz oben. Die Konferenz galt der Vorbereitung des G-8-Gipfels der Staats- und Regierungschefs in einem Monat auf Hokkaido.

In der Abschlusserklärung fordern die Finanzminister die Ölförderländer zu einer Aufstockung ihrer Produktion auf. Alle Länder müssten ihre Raffineriekapazitäten verbessern. Zudem könnten die Ölmärkte durch "größere Transparenz und Verlässlichkeit bei Marktdaten einschließlich Ölvorräte" effizienter gemacht werden, heißt es. Das gelte auch für die Höhe der in den Ölmarkt fließenden Finanzmittel.

Unterdessen plant Saudi-Arabien einem Zeitungsbericht zufolge bereits eine Erhöhung seiner Ölproduktion. Im Juli wolle der weltgrößte Ölexporteur täglich etwa eine halbe Millionen Barrel pro Tag mehr fördern, berichtete die "New York Times" in ihrer Samstagausgabe unter Berufung auf Analysten und Händler, die kürzlich von Regierungsvertretern Saudi-Arabiens entsprechend informiert worden seien. Die Pläne wurden als Anzeichen gewertet, dass sich auch Saudi-Arabien zunehmend Sorgen über die Auswirkungen der hohen Ölpreise auf die Weltwirtschaft macht. Das Fass der US-Sorte WTI kostete zuletzt um die 135 Dollar. Gegenwärtig fördert Saudi-Arabien täglich 9,45 Millionen Barrel.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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