Volkswirte "Keine bedeutenden wirtschaftlichen Folgen"

Die Iren haben den EU-Vertrag von Lissabon abgelehnt. Volkswirte zeigten sich am Freitag in ersten Reaktionen enttäuscht, sahen aber keine nachhaltig schweren Folgen - weder für den Euro noch die europäische Wirtschaft. Das "Europa der zwei Geschwindigkeiten" werde jetzt wieder stärker auf der Agenda stehen, sagte ein Experte.

Brüssel - Der Justizminister der Iren, Dermot Aherndes Landes räumte die Niederlage bei der Abstimmung am Freitag ein. Der Reformvertrag soll die Verfassung ersetzen, die 2005 bei Referenden in Frankreich und den Niederlanden durchgefallen war. Das Nein der irischen Wähler ist ein schwerer Rückschlag für die Europäische Union, deren Arbeitsweise nach der Erweiterung auf 27 Mitglieder mit dem Vertrag grundlegend reformiert werden sollte. Volkswirte reagierten in ersten Reaktionen enttäuscht.

"Das löst eine politische Krise in Europa aus, die starke politische Führung in Irland, in Brüssel und im übrigen Europa erfordert. Je früher gehandelt wird, desto größer sind die Chancen, dass die Krise angegangen und hoffentlich gelöst wird", erklärte Antonio Missiroli vom European Policy Centre.

Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank erklärte, wahrscheinlich werde man nun mit dem alten EU-Vertrag weiterarbeiten müssen, womit es zu gewissen Fliehkräften im erweiterten Europa kommen würde. "Ein Europa der zwei Geschwindigkeiten wird bei einem irischen Nein wieder ganz oben auf die politische Agenda kommen", sagte Tuchtfeld weiter. Der Euro werde unter diesen "politischen Querelen" leiden. Der bestimmende Einfluss für den Kurs gehe aber von der Zinspolitik aus. Der Volkswirt rechnet daher damit, dass der Euro "vorerst in einer Spanne von 1,50 bis 1,55 Dollar tendieren wird".

Auch Volkswirt Uwe Angenendt von der BHF-bank geht davon aus, dass sich der Euro jetzt schwächer entwickeln werde. "Wir könnten uns vorstellen, dass die Gemeinschaftswährung künftig auch die 1,50-Dollar-Marke testet oder sogar noch tiefer fällt."

Holger Schmieding von der Bank of America sieht das anders: "Der Euro reagiert zwar negativ. Wir erwarten aber keinen nachhaltigen negativen Einfluss auf die Wechselkurse, da das Nein der Iren für die absehbare Zukunft keine bedeutenden wirtschaftlichen Auswirkungen haben wird."

manager-magazin.de mit Material von reuters

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