Banken-Monopoly Hauptsache, deutsch

Der deutsche Bankenmarkt wird neu geordnet. Die Bundesregierung will einen zweiten "nationalen Champion" neben der Deutschen Bank schaffen. Doch warum eigentlich? Für Kunden, Mitarbeiter und die Staatskasse bringt das auch Nachteile.

Hamburg - Für die Gewerkschaft Verdi ist der Fall klar: "Wir halten überhaupt nichts von einem Verkauf der Postbank", sagt Gerd Tausendfreund, Leiter der Verdi-Bundesfachgruppe Postbank. Das Institut liefere doch Milliardengewinne ab, ein Zusammenschluss mit einer anderen Bank könne die gemeinsame Erfolgsstory von Postbank  und Mutterkonzern Deutsche Post  nur zerstören. Diese Position teilten alle Gewerkschaftsvertreter in den Aufsichtsräten beider Unternehmen.

Allerdings scheint die Gewerkschaft die Konsolidierung des deutschen Bankenmarkts als unausweislich hinzunehmen. Vorsorglich hat Verdi eilig durchgesetzt, dass Mitarbeiter, die in das Betriebs-Center für Banken (BCB) ausgelagert werden, im Fall eines Verkaufs ein Recht auf Rückkehr zur Postbank haben. In der am Donnerstag beginnenden Tarifrunde für private und öffentliche Banken fordert die Gewerkschaft nicht nur 8 Prozent mehr Gehalt, sondern auch ein Verbot betriebsbedingter Kündigungen.

"Beides zusammen geht nicht", meint der Bankenexperte Hans-Peter Schwintowski von der Berliner Humboldt-Universität. Gerade in diesem Jahr würden die Banken darauf bestehen, im Fall eines Zusammenschlusses Stellen streichen zu können. Denn sie spielen das große Monopoly. Derzeit öffnen Postbank und Citibank ihre Bücher für interessierte Bieter, der Verkaufsprozess der Mittelstandsbank IKB  ist schon fortgeschritten, und auch bei der Dresdner Bank laufen Vorbereitungen für eine Aufspaltung und/oder einen Verkauf.

Besonders fürchten die Beschäftigten die Variante, die derzeit am heißesten gehandelt wird: das gemeinsame Gebot von Commerzbank  und Dresdner Bank für die Postbank, über das manager magazin im Mai berichtet hatte. "Bei einer Dreierfusion stehen 20.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel", schätzt Tausendfreund. Doch auch mit nur zwei beteiligten Geldhäusern würde ein Zusammenschluss massenhaft Stellen kosten.

"Keine Bank braucht zwei Vorstände, zwei IT-Abteilungen, zwei Backoffices oder zwei benachbarte Filialen", sagt der Gewerkschafter. Wenn die Postbank überhaupt verkauft werden soll, wäre das geringste Übel aus Sicht der Beschäftigten der Zuschlag an einen ausländischen Bieter, der in Deutschland noch kein dichtes Filialnetz hat.

"Eine von 23 Optionen"

"Eine von 23 Optionen"

Doch die Chancen dafür stehen schlecht. Einen "weiteren nationalen Champion" wünscht sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, eine zweite deutsche Bank, die wie die Deutsche Bank  im internationalen Wettbewerb vorn mitspielen kann. Die Dreierfusion ist zwar schwer umzusetzen, würde aber als einzige Lösung in dieses Schema passen - auch wenn Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz darin "nur eine Möglichkeit von 23 verschiedenen Optionen" sieht.

Die Gelegenheit ist günstig: Die Allianz  ist nach erneuten schweren Verluste der Dresdner Bank bereit, Kontrolle über ihre Banktochter abzugeben, würde aber als starker Minderheitsaktionär weiterhin Schutz vor feindlichen Attacken bieten. Der Bund kontrolliert nicht nur die Deutsche Post, bis Ende dieses Jahres kann er auch ein Veto gegen einen unerwünschten Verkauf der Postbank einlegen.

Aus Steinbrücks Wunsch nach einem starken deutschen Finanzmarkt lasse sich aber keine Vorliebe für eine bestimmte Konstellation ableiten, beteuert dessen Sprecher Torsten Albig - schon gar keine Absage an ausländische Bieter. "Auch mit Santander  kann man eine erfolgreiche Postbank aufbauen." Die Bundesregierung beobachte den Verkaufsprozess mit Interesse, werde aber das Aktienrecht beachten und nicht eingreifen.

Diese Distanz wird in der Branche bezweifelt. Das Interesse ausländischer Institute an der Postbank nehme ab, heißt es in Bankenkreisen. Die belgisch-niederländische ING  und die italienische Unicredit , die schon die deutsche HypoVereinsbank übernommen hat, verabschiedeten sich bereits aus dem Kreis der Kandidaten. Als ein Grund für die Zurückhaltung wird genannt, dass sich die Ausländer unerwünscht fühlen - wegen der Signale aus der Regierung. Man wolle nicht als Zählkandidat auftreten, nur um den Preis nach oben zu treiben. Neben der spanischen Santander verbleibt die britische Lloyds TSB  als ernsthafte Interessentin aus dem Ausland.

"Ein paar Banken zu viel"

"Ein paar Banken zu viel"

Ohne politische Intervention könnten große europäische Finanzhäuser durchaus Interesse an einem Einstieg haben. "Der deutsche Privatkundenmarkt ist zwar schwieriger als in anderen Ländern", sagt Carsten Werle, Bankenanalyst der Privatbank Sal. Oppenheim. "Er wird aber attraktiver durch den Rückzug des öffentlich-rechtlichen Sektors. Und immerhin ist Deutschland die größte Volkswirtschaft im Euro-Land." Die Postbank mit ihren effizienten Filialen, dem großen Kundenstamm und der hohen Cost-Income-Ratio gehöre zu den wenigen attraktiven Instituten.

Wenn ein Bieterkampf ausbleibt, dürfte der Verkauf trotzdem kaum mehr als zehn Milliarden Euro einbringen. So viel ist die Postbank heute schon an der Börse wert. Und selbst diese Summe könnte im Inland schwierig aufzubringen sein. "Die Postbank-Übernahme bezahlt man nicht aus der Portokasse", sagt Werle. Die Commerzbank hätte es schwer, diesen Deal aus eigener Kraft zu stemmen. Das komplizierte Bündnis mit der Dresdner Bank brächte aber viele Hindernisse, nicht nur wegen der vielen Überschneidungen zwischen beiden Instituten.

Ministeriumssprecher Albig nennt selbst einen weiteren Grund, der gegen eine innerdeutsche Bankenfusion spricht: "Der in Deutschland bestehende harte Wettbewerb nützt den Konsumenten." In kaum einem europäischen Land kämpfen so viele Banken um die Gunst der Privatkunden und überbieten sich mit günstigen Konditionen. Eine Monopolisierung wie in vielen anderen Ländern wolle die Bundesregierung daher nicht. Doch es gebe ja auch Zwischenstufen. Und ein bisschen weniger Wettbewerb käme der Ertragskraft der Banken zugute.

Auch Jürgen Fitschen, beim Branchenprimus Deutsche Bank für den Heimatmarkt verantwortlich, klagte erst jüngst wieder über die Marktverzerrrungen auf dem hiesigen Markt, die den Kreditnehmern aus Sicht von Fitschen schon "zu tolle Bedingungen" beschere. Die Öffentlichkeit müsse sich aber entscheiden, so der Deutschbanker. Für ihn seien "Kredite, mit denen man kein Geld verdient" allerdings "keine Lösung".

Der Berliner Professor Schwintowski sieht das ähnlich: "Nach meinem Eindruck haben wir hier ein paar Banken zu viel, die sich im Kleinkundengeschäft tummeln." Die hohe Filialdichte sei "einerseits sehr schön, andererseits aber auch sehr kostspielig - für die Banken und damit auch für die Kunden".

Schwintowski hält eine stärkere Konzentration für notwendig. Doch er sehe "keinen Sinn darin, warum das eine nationale Aufgabe sein sollte". Etwas anderes wäre es, wenn ein ausländischer Investor die ganze Sparkassen-Gruppe kaufen wollte. Denn die habe tatsächlich eine öffentliche Aufgabe. Schwintowski sieht eine Doppelmoral am Werk. "Mit den eigenen Unternehmen will man Global Player sein, die Ausländer dürfen hier aber nicht zukaufen."

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