Lufthansa Berichterstatter ausgespäht

Neben der Deutschen Telekom hat offenbar auch die Lufthansa zuletzt Journalisten bespitzeln lassen. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, ließ die größte deutsche Fluggesellschaft einen Berichterstatter der "Financial Times Deutschland" ausspionieren, um interne Informationslecks im Aufsichtsrat aufzuspüren.

Hamburg - Die Deutsche Lufthansa  hat interne Passagierdaten genutzt, um Kontakte von Journalisten zu Aufsichtsräten der größten deutschen Fluggesellschaft aufzudecken. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Betroffen sei ein Journalist der "Financial Times Deutschland" gewesen. Der Mann war mit einem Lufthansajet nach Hamburg geflogen und hatte sich dort in der konzerneigenen Vielfliegerlounge mit seinem Informanten getroffen.

Die Lufthansa bestätigte den Vorgang dem Nachrichtenmagazin, wies aber darauf hin, dass Fluggastinformationen konzernintern nicht den gleichen Schutz genössen wie etwa Telefondaten. "Bei uns ist nichts Illegales geschehen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Bei dem Zeitungsmitarbeiter soll es sich dem "Spiegel" zufolge um denselben Journalisten gehandelt haben, der bereits im Auftrag der Deutschen Telekom  ausspioniert worden war.

Grünen-Menschenrechtsexperte Volker Beck zeigte sich empört. "Der Umgang der Lufthansa mit ihren Fluggastdaten ist ein Skandal", sagte er. Das sei "ein Übergriff auf die Persönlichkeitsrechte" der Fluggäste.

Auch im nichtstaatlichen Sektor müsse gelten: Daten dürfen nur zu dem Zweck verwendet werden, zu dem sie gespeichert werden und zu dem der Bürger die Verwendung ausdrücklich gestattet hat. "Es ist Zeit für eine für eine grundlegende Modernisierung und Weiterentwicklung des Datenschutzrechts", forderte Beck.

Kritik kam auch von der FDP. "Kritische Journalisten auszuspähen, ist ein Angriff auf die Pressefreiheit", sagte die innenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Gisela Piltz. "Die neuesten Berichte zeigen, dass die bislang bekanntgewordenen Fälle von Datenmissbrauch offenbar leider keine Einzelfälle sind. Vielmehr scheint den Unternehmen der Sinn für den Datenschutz abhandengekommen zu sein", rügte sie und forderte ebenfalls eine Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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