Gaspreise Regierung fürchtet Preisschub

Die Bundesregierung hat die Verbraucher vor stark steigenden Gaskosten gewarnt. Im Herbst könne der Preis für den Rohstoff um weitere 40 Prozent zulegen, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium. Jetzt sollte eine europäische Initiative geprüft werden, um Preisspekulationen einzudämmen.

Berlin - Das Bundesumweltministerium befürchtet einen kräftigen Anstieg der Gaspreise. "Über die bereits bekanntgewordenen Preiserhöhungen von 25 Prozent hinaus kann es im Herbst noch einmal eine Erhöhung des Gaspreises um bis zu 40 Prozent geben", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Michael Müller (SPD), der "Welt am Sonntag". Grund sei vor allem die Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis, die vor vielen Jahren in Deutschland beschlossen worden ist.

"Die Energieunternehmen erhöhen die Preise für Gas immer erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten", sagte Müller. Die Preisbindung von Öl und Gas sei nicht mehr zeitgemäß. "Die Bundesregierung sollte prüfen, ob sie in Abstimmung mit der Europäischen Union eine Strategie zur Entkopplung erarbeitet, damit es zu einer kostengerechten Preisentwicklung kommt, die spekulative Überhöhungen ausschließt."

Müller begleitet Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in der kommenden Woche mit einer Wirtschaftsdelegation nach Russland. Dort wollen sie über Umwelttechnologien und Rohstoffpartnerschaften sprechen.

Auch der Energieexperte der SPD-Fraktion, Ulrich Kelber, fürchtet höhere Gaspreise. "Wir müssen uns deshalb um eine andere Preisgestaltung kümmern", sagte er dem Blatt. Als Beispiele nannte er Sozialtarife für Energie und eine Entfernungspauschale für Geringverdiener. "Vor allem aber müssen wir den Menschen helfen, ihren Energieverbrauch zu senken", sagte Kelber.

Ende Mai hatte es in Presseberichten geheißen, der Düsseldorfer Energieriese Eon  wolle den Gaspreis um bis zu 25 Prozent erhöhen. Eon selbst wollte dazu keine Stellung nehmen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat bereits vorsorglich angekündigt, die Energiekonzerne bei Preiserhöhungen über das Kartellamt stärker kontrollieren zu lassen.

Am vergangenen Freitag kostete Öl erstmals mehr als 139 Dollar je Barrel (159 Liter). Alarmierend war dabei zudem der Preisanstieg um rund elf Dollar an diesem Handelstag. Nie zuvor war Öl an einem Tag soviel teurer geworden. Die Investmentbank Morgan Stanley hält mittlerweile einen Preis von 150 Dollar je Barrel für möglich, und zwar schon in den nächsten Tagen.

Der Ölpreise berge mittlerweile "große Risikofaktoren für eine Rezession der Weltwirtschaft", sagte Japans Wirtschaftsminister Akira Amari gestern bei einem Minister-Treffen der großen Ölverbrauchsländer China, Indien, Japan, Südkorea und den USA im japanischen Aomori.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte nun gemeinsame Anstrengungen von Verbraucher- und Erzeugerländern, um die Entwicklung zu stoppen. "Der Anstieg des Ölpreises wird zur realen Gefahr für die Weltwirtschaft", sagte Glos. "Niemand kann voraussagen, wie die weitere Entwicklung verlaufen wird, denn Spekulation spielt dabei eine große Rolle", sagte Glos weiter.

Die Konsequenzen des Ölpreisanstiegs würden in Deutschland zwar durch den starken Euro und mehr Exporte in die Öl produzierenden Länder gedämpft. "Dennoch erfordert die Entwicklung, dass Produzenten- und Verbraucherländer gemeinsam nach Lösungen suchen", betonte der CSU-Politiker. Beide Ländergruppen hätten Interesse an mehr Stabilität. Zudem müssten Energiespartechniken gefördert werden und eine Politik, die "uns unabhängiger von Öl und Gas macht."

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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