Ölpreis Ministerpräsident in Rage

Der Chef der Europäischen Zentralbank hat sich den Zorn des spanischen Ministerpräsidenten zugezogen. Jose Luis Rodriguez Zapatero warf dem Eurobanker vor, durch unvorsichtige Interviews den Dollar-Kurs in den Keller zu treiben - und somit indirekt für die hohen Ölpreise verantwortlich zu sein.

Madrid - Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hat den Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, wegen seiner deutlichen Zinssignale kritisiert. Mit seiner Ankündigung, unter Umständen bald die Leitzinsen in Europa erhöhen zu wollen, habe er den Dollar-Kurs in den Keller geschickt und sei damit für den jüngsten Rekordpreis beim Öl verantwortlich, sagte der spanische Ministerpräsident.

"Ich würde Herrn Trichet empfehlen, ein wenig vorsichtiger zu sein", sagte Zapatero. Die Regierung in Madrid hatte sich wiederholt unzufrieden über den starken Euro  gezeigt und angedeutet, sie hoffe auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank. Der Sozialist Zapatero sieht sich in seinem Land Protesten über die hohen Treibstoffkosten ausgesetzt.

Alle respektierten die Unabhängigkeit der Frankfurter Währungshüter, sagte Zapatero in einer Rede in Leon weiter, die in den spanischen Medien übertragen wurde. "Aber wir alle erwarten auch, dass sich die Europäische Zentralbank verantwortungsvoll verhält." Nach einem jahrelangen Bauboom setzt die nun lahmende Immobilienbranche der spanischen Wirtschaft zu, Zinserhöhungen würden Spaniens Wirtschaftswachstum tendenziell zusätzlich bremsen. Allerdings liegt die Inflationsrate in Spanien noch immer deutlich über dem europäischen Schnitt.

Der Rat der Europäischen Zentralbank hatte am Donnerstag klar gestellt, dass die Notenbank vielleicht schon im Juli die Zinsen erhöhen werde. Die meisten Experten hatten wegen der schwächeren Konjunktur für das Jahresende eher eine Zinssenkung erwartet.

Der Ölpreis schoss daraufhin am Freitag um elf Dollar auf mehr als 139 Dollar das Fass in die Höhe. Das war der größte Preissprung seit Jahren und zugleich der höchste Preis überhaupt, der bisher für einen Barrel (159 Liter) Öl gezahlt worden ist. Analysten führten dies vor allem auf den Kursrutsch des Dollar zurück.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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