Telekom Ex-Bundesrichter als Chefaufklärer

Telekom-Chef Rene Obermann hat den ehemaligen Richter am Bundesgerichtshof, Gerhard Schäfer, engagiert, um den Spitzelskandal aufzuklären. Der Datenschutzexperte will bei der Telekom einen eigenen Stab einrichten und ein Sicherheitskonzept entwickeln.

Bonn - Wie Schäfer am Freitag in Berlin bei einer Pressekonferenz mit Obermann weiter mitteilte, wolle er ein Datensicherheitskonzept für die Deutsche Telekom entwickeln. Zunächst wolle er sich jedoch ein Bild über die Sachlage machen.

Außerdem betonte Obermann während der Pressekonferenz, er habe keine Kenntnis über das mögliche Ausspähen von Bankdaten durch den Konzern. "An dieser Stelle muss ich alle Spekulationen zurückweisen", sagte Obermann.

"Alles wird sich im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Arbeit aufklären, sagte der Vorstandschef der Deutschen Telekom . Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel sagte Reuter, für ein Ausspähen von Bankdaten habe die Behörde bislang keine Belege gefunden. Sie gehe aber allen Hinweisen nach.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, die Telekom habe nicht nur Telefonverbindungen, sondern auch Bankdaten von Journalisten und Aufsichtsräten ausgespäht. Dem Artikel zufolge sollen zudem Bewegungsprofile von einzelnen Personen erstellt worden sein. Über Handydaten habe man abgeglichen, wo diese sich aufgehalten hätten.

Die Zeitung berichtete auch von einer Rechnung über 359.000 Euro, die nach Obermanns Amtsantritt Ende November 2006 über dessen Kostenstelle beglichen worden sei. Sie stamme von der Berliner Firma, die im Auftrag der Konzernsicherheit Telefondaten ausgewertet haben soll. Ein Telekom-Sprecher sagte dazu, als die Rechnung einging, sei Obermann erst seit wenigen Tagen im Amt gewesen. Sie sei auch nicht von ihm unterzeichnet worden.

Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel

Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel

Die Ermittler hatten am Donnerstag die Konzernzentrale, die Räume der Mobilfunktochter T-Mobile, Privaträume sowie die Berliner Firma durchsucht, die im Auftrag der Konzernsicherheit für die Telekom im großen Stil Telefondaten von Aufsichtsräten und Journalisten ausgewertet haben soll.

Die Ermittlungen richten sich nach Aussage des Oberstaatsanwalts unter anderem gegen den ehemaligen Konzernchef Kai-Uwe Ricke und den einstigen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Auch die Tätigkeit des früheren Telekom-Sicherheitschefs Harald Steininger wird überprüft, ebenso ist der Chef der beauftragten Firma im Visier der Strafverfolger. Der heutige Vorstand sei von den Ermittlungen aber ausgeschlossen, hatte Apostel gesagt.

Die Telekom hatte am Wochenende eingeräumt, dass zwischen 2005 und 2006 mindestens ein Jahr lang Telefondaten ausspioniert worden sind. Damals leitete Ricke den Telekomriesen, Zumwinkel war Chef des Aufsichtsrats. Ziel der Spionage soll es gewesen sein, Informationslecks zu schließen, um die Veröffentlichung von vertraulichen Informationen zu unterbinden. Der Konzern selbst hatte die Vorfälle bei der Staatsanwaltschaft angezeigt und lückenlose Aufklärung versprochen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Spitzelskandal: Geheimdienstmethoden bei der Telekom

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