Freitag, 13. Dezember 2019

Deutsche Bank Der Marathonmann und die Waagschale

Nur Furcht vor den Anwälten Leo Kirchs? Oder auch Angst vor der eigenen Courage? Fast schon kleinlaut und leidenschaftslos referierte Josef Ackermann auf der Hauptversammlung über Lage und Zukunft der Deutschen Bank. Bei der anstehenden Bankenkonsolidierung will der Branchenprimus auf keinen Fall abseits stehen.

Frankfurt am Main - Gedrungener Körperbau, die grauen Haare kurz geschnitten, das weiße Oberhemd unter dem dunklen Sakko komplett durchgeschwitzt. Mit demonstrativ verschränkten Armen und sichtlich zufrieden mit der ihm zuteil werdenden Aufmerksamkeit dreht er nun schon seit zig Minuten seine Runden durch die Frankfurter Festhalle. Auf seinem Rücken hat der Protestierer ein Transparent befestigt: "Leistung, die Leiden schafft. Deutsche Bank freut sich über Lebensmittelknappheit."

Leistung ohne Leidenschaft: Deutschbanker Ackermann hält sich mit einer steifen Rede an das Protokoll
Nur kurz überlegen einige Sicherheitskräfte, den Vertreter der "Peanuts-Opfer" an seinem Schreiten durch die Reihen der an diesem Donnerstag in die Main-Metropole gereisten Aktionäre der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen zu hindern, lassen ihn dann aber unbehelligt.

Als Bankchef Josef Ackermann in der Mitte seiner rund 45-minütigen Rede auf der diesjährigen Hauptversammlung zur "gesellschaftlichen Verantwortung" des deutschen Branchenprimus kommt, macht der Marathonmann genau neben dem Teleprompter eine Pause, fixiert den Schweizer, dreht ihm kurz seinen Rücken zu und setzt seinen Protestmarsch fort.

Apropos Teleprompter. Wahrscheinlich bemerkt Ackermann den stillen Demonstranten gar nicht, denn wie gebannt und mit fast schon angestrengter Monotonie liest er seine Rede ab. Die Begründung für diese wenig unterhaltsame Vorstellung hatte zuvor schon Aufsichtsratschef Clemens Börsig genannt: Die juristische Dauerfehde mit Ex- und Vielleicht-doch-noch-immer- oder Bald-wieder-Medienmogul Leo Kirch. Teure Verbalausrutscher will die Deutsche Bank sich offenbar nicht noch einmal leisten.

"Ich würde gern mit Ihnen einen strategischen Dialog führen", ergänzt Ackermann in der anschließenden Fragerunde, doch auf einer Veranstaltung, bei der "jedes Wort siebenmal auf die Waagschale" gelegt werde, sei dies bedauerlicherweise nicht möglich. Die Lösung der Kirch-Problematik liege aber nicht in der Hand der Deutschen Bank. Einen weiteren Kommentar verkneift sich Ackermann.

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