Banken Citi bittet um Gebote

Die US-Großbank Citigroup macht ernst mit dem Verkauf ihres deutschen Filialgeschäfts. Presseberichten zufolge haben Interessenten bis zur nächsten Woche Zeit, ihre Gebote für die Citibank abzugeben. Mehrere Banken wollen ihr Privatkundengeschäft stärken, für die angeschlagene US-Großbank zählt nur der Preis.

Hamburg - Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus Finanzkreisen erfuhr, wurden bereits Informationsmemoranden an Interessenten aus dem In- und Ausland versendet. Bereits im Laufe der kommenden Woche müssten unverbindliche Angebote vorgelegt werden, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. "Das Interesse aus dem In- und Ausland ist enorm", hieß es. Experten halten einen Preis für die auf Verbraucherkredite spezialisierte Bank von vier bis fünf Milliarden Euro für realistisch.

Das "Handelsblatt" berichtete vorab aus seiner Dienstagausgabe, Fristende für die Abgabe der indikativen Offerten sei der 4. Juni. Einen vertieften Einblick in die Geschäftsbücher der Privatkundenbank können Bieter dann Mitte des Monats erhalten, berichtet die "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Anschließend könnten verbindliche Offerten abgegeben werden. Das "Handelsblatt" hält eine Vertragsunterzeichnung noch im Juli für denkbar.

Das auf Konsumentenkredite spezialisierte Institut steht zum Verkauf, nachdem der Mutterkonzern Citigroup  wegen der Subprime-Krise unter Druck geraten ist. Konzernchef Vikram Pandit will Beteiligungen und Wertpapiere mit einem Volumen von rund 400 Milliarden Dollar abstoßen. Als mögliche Bieter für die Citibank gelten die Deutsche Bank  und die Commerzbank , aber auch ausländische Institute könnten Interesse zeigen. Auch die Postbank , die selbst zum Verkauf steht, hatte sich ins Spiel gebracht. Analysten halten laut "Handelsblatt" einen Preis von 4,5 bis 5,0 Milliarden Euro für möglich. "Bei einer Auktion zählt letztlich nur der Preis - wer am meisten bietet, bekommt den Zuschlag", hieß es.

Die Citigroup will einen Preis "über dem aktuellen Marktwert" erzielen. Das sagte eine informierte Person am Montag zur Nachrichtenagentur Dow Jones. "Sollte es zu einem Verkauf kommen, wird der Preis ein entscheidendes Argument sein", sagte die Person. Ob der Anbieter aus Deutschland komme oder aus dem Ausland, sei für die Citigroup sekundär. Einer anderen Quelle zufolge soll Stefan Wintels, Leiter der Finanzdienstleistungssparte der deutschen Citigroup, den Verkaufsprozess betreuen.

"Sowohl bei einem Verkauf als auch bei einer Fusion mit einem anderen Institut ist sich die Citigroup des Wertes ihrer deutschen Tochter sehr bewusst", sagte die erste Person. "Bei allen Szenarien wären die Mitarbeiter der profitabel arbeitenden Citibank in einer starken Position und ihre Arbeitsplätze daher weniger gefährdet." Das Citibank-Privatkundengeschäft in Deutschland hatte 2007 einen Return on Equity von 49,7 Prozent erreicht.

Noch hält sich die Citigroup offiziell alle Möglichkeiten für die Zukunft ihres Privatkundengeschäfts in Deutschland offen. Ende vorletzter Woche hatte die Citigroup zum ersten Mal laut über einen Verkauf nachgedacht. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Nicht betroffen ist das Geschäftskunden- und Investmentbanking in Deutschland.

Bisher war in Finanzkreisen mit einem Verkauf der Bank nicht vor Herbst gerechnet worden. Die Citibank unterhält 340 Niederlassungen in 200 Städten, betreut 3,3 Millionen Kunden und verwaltet 12,5 Milliarden Euro für vermögende Privatkunden.

Die Citigroup stellt den Bietern für die deutsche Filialsparte zudem deutliche Zuwächse in Aussicht. Bis 2012 soll das Vorsteuerergebnis im Schnitt um 10 Prozent auf dann 882 Millionen Euro zulegen, berichtet das "Handelsblatt". Die Gesamterträge sollten im gleichen Zeitraum von zuletzt 1,65 Milliarden Euro auf 2,2 Milliarden Euro klettern. Für 2008 wird allerdings von einem leichten Gewinnrückgang ausgegangen, nachdem im Vorjahr vor Steuern ein Ergebnis von 546 Millionen Euro erzielt wurde. Die Citibank lehnte einen Kommentar am Montagabend ab.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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