Airbus Enders beklagt Benachteiligung

Airbus-Chef Thomas Enders fühlt sich unfair behandelt: In einem Interview beklagt er die Benachteiligung bei staatlichen Hilfen gegenüber dem US-Konkurrenten Boeing. "Dieses Thema wird sich zunehmend multilateral entwickeln", sagte er.

Berlin - Die Benachteiligung werde eines der Themen beim Treffen der zuständigen Minister aus den europäischen Airbus-Ländern mit der Unternehmensführung am Dienstag auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin-Schönefeld sein, kündigte Airbus-Chef Thomas Enders in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters an. Die ungleichen Spielregeln am Markt der Flugzeughersteller würden sich zudem mehr und mehr von einem zweiseitigen Problem zwischen Europa und den USA zu einem multilateralen entwickeln.

"Wir haben seit Jahr und Tag nichts anderes gefordert als das, was eigentlich selbstverständlich ist: nämlich das sogenannte 'Level Playing Field' (gleiche Spielregeln) mit unseren amerikanischen Konkurrenten", sagte Enders. Er beklagte immense US-Subventionen für das neue Flugzeugprogramm 787 des Konkurrenten Boeing . Es gehe ihm nicht einfach um die isolierte Forderung nach mehr Staatshilfen. "Unser Thema ist nicht staatliche Hilfen an sich, unser Thema ist, eine gewisse Balance herzustellen mit den staatlichen Unterstützungen, die die Konkurrenz hat".

"Dieses Thema wird sich zunehmend multilateral entwickeln", sagte Enders voraus. Als Beispiel nannte er die starke Unterstützung, die das Boeing-787-Programm etwa aus Japan erhalte. Zudem hätten zum Beispiel Brasilien, China und Japan Flugzeugprogramme, die staatlich unterstützt würden. "Das Thema wird schwieriger werden, denn es wird nicht mehr ein rein bilaterales sein", sagte Enders.

Der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung Peter Hintze hatte sich am Sonntag eher reserviert zu Forderungen nach mehr Staatshilfen geäußert. "Unser Luftfahrtforschungsprogramm ist gut ausgestattet, das weiß auch die Industrie", sagte er Reuters. Der Industrie sei bekannt, dass die Bundesregierung die Branche "sehr ambitioniert und sehr fair" finanziell unterstütze. Basis für die Förderung seien die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) und der Europäischen Union. "Das gilt aber mit der festen Verpflichtung, dass dann auch die Produktion bei uns stattfindet", mahnte er Airbus.

Louis Gallois, Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS , hatte am Wochenende in einem Interview der "Berliner Zeitung" mehr staatliche Hilfen für sein Unternehmen gefordert. "Die europäische Luftfahrtindustrie muss in ähnlichem Maße wie die amerikanische unterstützt werden", hatte Gallois gefordert.

Gernot Heller, reuters

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