Leipzig/Halle DHL eröffnet Drehkreuz

Mit einem Festakt hat die Post-Tochter DHL am Montag ihr europäisches Drehkreuz für Luftfracht am Flughafen Leipzig/Halle in Betrieb genommen. Post-Chef Frank Appel freute sich über das "logistische Zentrum von Weltformat", Anwohner protestierten dagegen.

Leipzig - Das Postgelb ist seit Langem am Flughafen Leipzig/Halle nicht mehr zu übersehen. Es signalisiert Aufbruch und Hoffnung. Seit Montag ist es geschafft: Der internationale Logistikkonzern DHL hat sein europäisches Drehkreuz für Luftfracht offiziell in Betrieb genommen - dreieinhalb Jahre nach der Entscheidung für den Standort in den neuen Bundesländern.

Mit dem Umzug von Brüssel ist Leipzig/Halle neben Hongkong und Wilmington (USA) eines der drei zentralen DHL-Drehkreuze. Knapp 50 Ziele werden von hier in aller Welt angeflogen, darunter New York und Moskau.

Damit hat Leipzig/Halle den Sprung auf die internationale Logistikkarte geschafft. "Das ist ein Tag der Freude und des Stolzes. Wir blicken in die Zukunft", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

"Mit DHL katapultiert sich Leipzig/Halle weltweit unter die ersten zehn Standorte", sagt der Geschäftsführer der Frachtfluggesellschaft AeroLogic, Thomas Pusch. Sein Unternehmen, eine gemeinsame Tochter von DHL und Lufthansa Cargo, hat als Sitz den neuen Logistikstandort gewählt und will von April 2009 an richtig loslegen. "Nach unserem Start landet der Airport weltweit unter den ersten fünf", ist Pusch sicher. "Denn wir sind die Brücke von Gesamteuropa zu den zentralen Standorten in Asien und Nordamerika."

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, sieht denn auch großes Potenzial für die Region: "Die Logistik ist ein Ankerpunkt künftiger wirtschaftlicher Entwicklung." Potenzial, das die Mitteldeutsche Flughafen AG - Dachgesellschaft des Airports - nutzen will. "Das DHL-Drehkreuz ist ein Meilenstein für das Luftverkehrswesen", sagt deren Chef Markus Kopp. "Wir wollen so schnell wie möglich die Nummer zwei in Deutschland sein."

Die Lufthansa Cargo nutzt den Flughafen neben dem Stammsitz Frankfurt als wichtigsten Knotenpunkt für Interkontinentalverkehre. "Er bietet interessante Wachstumsmöglichkeiten", sagt Vorstand Carsten Spohr. Die Lufthansa-Tochter will am Standort ein neues Logistikzentrum für rund 25 Millionen Euro errichten, rund 150 Jobs sollen entstehen. Das Frachtzentrum sollte im Frühjahr 2009 fertig sein, verzögert sich aber wohl etwas.

Boomtown Ost - mit hoher Arbeitslosigkeit

Boomtown Ost - mit hoher Arbeitslosigkeit

Deutlich sichtbar ist dagegen bereits im neuen Frachtbereich Süd das rund 30 Millionen Euro teure und 20.000 Quadratmeter große World-Cargo-Center der Hamburger Garbe-Gruppe. Laut dem Unternehmen entstehen beim Endausbau bis zu 280 Jobs, jährlich sollen bis zu 200.000 Tonnen Fracht umgeschlagen werden. Wenige Meter Luftlinie entfernt soll eine weitere, etwa 50.000 Quadratmeter große Logistikhalle entstehen.

Die Zeichen stehen auf Wachstum. Flächen hat der Flughafen genug - was er auch dem nun scheidenden sächsischen Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) verdankt. Der hatte schon als Finanzminister vom Flughafenausbau geträumt und - allem Spott zum Trotz - ausreichend Areal gesichert.

Das Interesse von Investoren braucht die Region nach wie vor dringend. "Das ist die Ambivalenz von Leipzig: Wir gelten als Boomtown Ost, haben aber eine hohe Arbeitslosenquote von über 15 Prozent", sagt Hermann Leistner, Sprecher der Arbeitsagentur Leipzig. Damit liegt die Sachsen-Metropole weit hinter Dresden oder Chemnitz.

Rund 50.000 Menschen haben sich bislang bei DHL beworben - das bedarf keines Kommentars. "Der Konzern hat Arbeitsplätze in einem Bereich geschaffen, wo es bislang viel zu wenige gab - in der niedrigen und mittleren Qualifikation", schildert Leistner. "Mittlerweile ist Leipzig/Halle ein echter Logistikstandort."

Das merken auch die Anwohner, deren Ton zunehmend schärfer wird. Dies gilt insbesondere, seitdem DHL seinen Knotenpunkt Ende März ans Netz genommen hat. Für Touristikflüge haben die Gegner ein Nachtflugverbot vor dem Bundesverwaltungsgericht erzwungen. Am 15. Juli verhandelt das Gericht nun, ob auch Frachtflüge eingeschränkt werden müssen. Nicht nur Flughafenchef Eric Malitzke fragt sich besorgt, inwieweit der zuständige 4. Senat diesmal auf die Nachtruhe der Anwohner Rücksicht nimmt.

Marion van der Kraats, dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.