Postbank Post-Chef bremst die Tochter

Die Entscheidung über die Zukunft der Postbank wird nach Einschätzung ihres Chefs Wolfgang Klein bis zum Herbst fallen. Er ist zuversichtlich, dass das Institut nach dem Verkauf als Marke und als Bank erhalten bleiben wird. Die Konzernmutter Deutsche Post dämpft die Erwartungen.

Frankfurt am Main - Bei der Deutschen Post , dem Mutterkonzern der Postbank , gebe es zwar noch andere Prioritäten, sagte Klein dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Dennoch hofft er, dass er nicht den Jahrestag der seit Herbst 2007 laufenden Diskussion "feiern" werde. Wie die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, wird der formale Verkaufsprozess erst im Juni anlaufen. Derzeit sondiere die Post den Markt.

Praktisch alle deutschen Großbanken haben Interesse an der Postbank signalisiert, seit die Post ihre Bank-Tochter im Herbst zur Disposition gestellt hatte. Wie das manager magazin berichtete, verhandeln die Allianz-Tochter Dresdner Bank, die Commerzbank  und die Postbank derzeit über ein Dreierbündnis.

Klein könnte sich aber auch einen ausländischen Partner für sein Haus vorstellen. "Wir leben in Europa, wir leben im Euroraum. Da ist es aus meiner Sicht völlig normal, sich auch mit der Frage nach einem europäischen Partner zu beschäftigen."

Er gehe fest davon aus, dass die Postbank mit ihren 14,4 Millionen Privatkunden als Marke und als Bank auch nach einem Verkauf erhalten bleiben wird. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man eine der stärksten Marken, die es im deutschen Privatkundengeschäft gibt, opfert", sagte Klein.

"Wir sind der Eigentümer, nicht Herr Klein"

Post-Chef Frank Appel sagte am Montag in Leipzig, es sei noch nicht entschieden, wie es mit dem Geldhaus weitergehen werde. "Wir haben keine Hast und Eile bei einem Verkauf der Postbank", sagte er. "Wir machen einen Sondierungsprozess, und wenn wir diesen abgeschlossen haben, werden wir dazu mehr sagen." Appel will sich dabei nicht unter Druck setzen lassen - auch nicht von der eigenen Banktochter.

"Wir sind der Eigentümer, nicht Herr Klein", hielt Appel dagegen. Schon vor ein paar Wochen hatte die Postbank moniert, die derzeitige Situation behindere strategische Entscheidungen für die größte Filialbank Deutschlands. Seit geraumer Zeit gibt es heftige Spekulationen, was die Post mit der Postbank vorhat. Der Bonner Logistikkonzern hält 50 Prozent plus eine Aktie an dem Geldhaus. Insidern zufolge wird ein Dreierbündnis von Dresdner, Commerz- und Postbank vom Bund favorisiert. Experten sehen dies allerdings wegen der Komplexität sehr skeptisch. Die Gewerkschaft Verdi warnte vor einem massiven Stellenabbau.

Nach Ansicht von Banken-Experten ist die Zeit für Fusionen in der Branche angesichts der Probleme aus der weltweiten Finanzkrise jedoch mehr als reif. Außer Branchenprimus Deutsche Bank  kann in Deutschland kein Haus im Konzert der internationalen Großbanken mithalten. Politiker favorisieren daher die Bildung einer zweiten deutschen Großbank. Zumindest bei der Zukunft der Postbank kann der Bund mitreden: Er ist an der Post noch beteiligt und hat bis Januar 2009 ein Vetorecht.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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