Telekom-Skandal Obermann droht mit "harten Konsequenzen"

Telekom-Vorstandschef René Obermann hat in der Bespitzelungsaffäre seines Unternehmens mit "harten Konsequenzen" gedroht. Die Telekom hat offenbar mehr als ein Jahr lang ihre eigenen Manager und Aufsichtsräte bespitzelt.

Köln - "Die aktuellen Vorwürfe, wenn sie sich bewahrheiten, widersprechen klar unserem Verständnis von Datenschutz", sagte Obermann der "Bild"-Zeitung. "Fälle von Fehlverhalten müssen aufgeklärt werden und harte Konsequenzen nach sich ziehen." Zugleich versicherte Obermann den Telekom-Kunden, dass deren Daten sicher seien.

Obermann muss sich einer riesigen Bespitzelungsaffäre aus der Ära seines Vorgängers Kai-Uwe Ricke auseinandersetzen. Die Deutsche Telekom  hat bereits eingestanden, dass es beim Bonner Telefonriesen mehr als ein Jahr lang "Fälle von missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten" gegeben hat. Nach einem Bericht des SPIEGEL soll es dabei um Kontakte von Managern und Aufsichtsräten zu Journalisten gegangen sein: Das Unternehmen wollte herausfinden, wer sensible Informationen an die Presse weitergibt.

Die Telekom hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Ein Ermittlungsverfahren gibt es noch nicht.

"Zutiefst erschüttert"

Der SPIEGEL zitiert aus einem Fax der Beratungsfirma, das vor wenigen Wochen bei der Telekom eingegangen sei. Ziel der Spähoperationen "Clipper", "Rheingold" und einiger anderer "Nebenprojekte" sei "die Auswertung mehrerer hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze der wichtigsten über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten und deren privaten Kontaktpersonen" gewesen. Dies sei bei "mehreren Aufsichtsratsmitgliedern der Arbeitnehmerseite" wiederholt worden "über einen Zeitraum von insgesamt anderthalb Jahren".

"Ich bin über die Vorwürfe zutiefst erschüttert. Wir nehmen den Vorgang sehr ernst", sagte Obermann. Von den Vorwürfen erfahren habe der Telekom-Vorstand am 28. April durch das Schreiben eines extern Beteiligten, der aus der Konzernabteilung Sicherheit heraus beauftragt worden sei. Daraufhin habe die Telekom am 14. Mai Anzeige erstattet. Außerdem sei eine Kölner Anwaltskanzlei mit einer "unabhängigen und rückhaltlosen Untersuchung" der Vorfälle beauftragt worden. "Mit unserem Vorgehen wollen wir höchst mögliche Transparenz erreichen und der Strafjustiz ermöglichen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", sagte Obermann.

Bereits im vergangenen Sommer sei das Unternehmen aufgrund interner Hinweise einem Einzelfall nachgegangen, der damals aufgeklärt worden sei. Als Folge seien "weitreichende personelle und organisatorische Veränderungen" in der Sicherheitsabteilung vorgenommen worden. "Die Abteilung wurde komplett umgebaut und mit neuen Kontrollmechanismen personeller und organisatorischer Art aufgestellt", teilte die Telekom mit. "Angesichts der erkennbaren Schwachstellen und hohen Sensibilität dieses Bereichs" sei 2007 der ehemalige Ministerialdirektor Reinhard Rupprecht als Sicherheitsbevollmächtigter des Vorstands eingesetzt worden.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

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