Überwachungsskandal Telekom bespitzelt eigene Topmanager

Die Deutsche Telekom hat offenbar mehr als ein Jahr lang ihre eigenen Manager und Kontrolleure bespitzelt. Die Telefonverbindungsdaten seien kontrolliert worden, um undichte Stellen im Vorstand und Aufsichtsrat aufzuspüren. Die Staatsanwaltschaft ermittle bereits, erklärte Telekom-Chef René Obermann.

Köln - Die Deutschen Telekom  sieht sich dem Vorwurf der Bespitzelung ausgesetzt. Um undichte Stellen im Vorstand und Aufsichtsrat aufzuspüren, habe der Konzern Telefonverbindungsdaten sammeln und auswerten lassen. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL am Samstag vorab.

Die Telekom habe während der Amtszeit des früheren Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und des damaligen Aufsichtsratschefs Klaus Zumwinkel eine Berliner Beratungsfirma beauftragt, die Datensätze mit den Nummern von Journalisten abzugleichen.

Der amtierende Telekom-Chef Rene Obermann versprach am Samstag rückhaltlose Aufklärung und ließ nach eigenen Angaben die Staatsanwaltschaft einschalten. Die dem Unternehmen vorgelegten Vorwürfe beträfen Verbindungsdaten, aber kein Abhören von Gesprächen, hieß es in einer Mitteilung des Konzerns.

Telekom-Chef Obermann "zutiefst erschüttert"

Der SPIEGEL zitiert aus einem Fax der Beratungsfirma, das vor wenigen Wochen bei der Telekom eingegangen sei. Ziel der Spähoperationen "Clipper", "Rheingold" und einiger anderer "Nebenprojekte" sei "die Auswertung mehrerer hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze der wichtigsten über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten und deren privaten Kontaktpersonen" gewesen. Dies sei bei "mehreren Aufsichtsratsmitgliedern der Arbeitnehmerseite" wiederholt worden "über einen Zeitraum von insgesamt anderthalb Jahren".

"Ich bin über die Vorwürfe zutiefst erschüttert. Wir nehmen den Vorgang sehr ernst", sagte Obermann. Von den Vorwürfen erfahren habe der Telekom-Vorstand am 28. April durch das Schreiben eines extern Beteiligten, der aus der Konzernabteilung Sicherheit heraus beauftragt worden sei. Daraufhin habe die Telekom am 14. Mai Anzeige erstattet. Außerdem sei eine Kölner Anwaltskanzlei mit einer "unabhängigen und rückhaltlosen Untersuchung" der Vorfälle beauftragt worden. "Mit unserem Vorgehen wollen wir höchst mögliche Transparenz erreichen und der Strafjustiz ermöglichen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", sagte Obermann.

Bereits im vergangenen Sommer sei das Unternehmen aufgrund interner Hinweise einem Einzelfall nachgegangen, der damals aufgeklärt worden sei. Als Folge seien "weitreichende personelle und organisatorische Veränderungen" in der Sicherheitsabteilung vorgenommen worden. "Die Abteilung wurde komplett umgebaut und mit neuen Kontrollmechanismen personeller und organisatorischer Art aufgestellt", teilte die Telekom mit. "Angesichts der erkennbaren Schwachstellen und hohen Sensibilität dieses Bereichs" sei 2007 der ehemalige Ministerialdirektor Reinhard Rupprecht als Sicherheitsbevollmächtigter des Vorstands eingesetzt worden.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

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