Karmann Golf-Traum geplatzt?

Viele Mitarbeiter hatten es bereits befürchtet, nun scheint es klar: Karmann bekommt den Zuschlag für die Fertigung der Neuauflage des Golf Cabrio nicht. Das wäre das Ende einer langen Kooperation. Und es engte den Spielraum für das Osnabrücker Traditionsunternehmen weiter ein.

Osnabrück - Europas größter Autobauer Volkswagen  wird sein geplantes neues Golf Cabriolet nach Informationen aus Unternehmenskreisen nicht beim angeschlagenen Automobil-Auftragsfertiger Karmann bauen lassen. "Karmann wird den Zuschlag nicht erhalten", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person aus dem Konzernumfeld der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Auch das "Handelsblatt" schreibt in einem Vorabbericht, dass der Wolfsburger Autobauer das wichtige Modell nicht an Karmann vergibt, sondern es in Eigenregie fertigen will.

Der händeringend nach Aufträgen suchende Zulieferer muss damit die Hoffnungen begraben, erneut den Zuschlag für die Neuauflage der Cabrio-Variante des Kompaktwagens zu erhalten, die in der Vergangenheit stets bei Karmann in Osnabrück gebaut wurde. Volkswagen bestätigt bisher weder, dass es eine Neuauflage des Golf Cabrio geben soll, noch wo das Modell vom Band rollen wird. "Für ein Fahrzeug, dass noch nicht entschieden ist, gibt es auch noch keine Festlegung auf einen möglichen Produktionsstandort oder weitere Details", sagte ein VW-Sprecher. Grundsätzlich verfolge Volkswagen die Strategie "Wachsen ohne zu wachsen". Das bedeute, dass der in den kommenden Jahren stark steigende Ausstoß durch eine höhere Produktivität der Werke sowie zusätzliche Modelle erreicht werden solle.

Karmann wollte sich nicht zu den Plänen von VW äußern. In Wolfsburg würde man sich offenbar über ein neues Cabrio freuen. Aussagen von Konzernschef Martin Winterkorn deuten darauf hin. "Ja, ich hätte schon gerne wieder ein Golf-Cabrio", zitierte das "Handelsblatt" Winterkorn vorab aus seiner Freitagausgabe. Die bisherigen Generationen des Golf Cabrio waren alle bei Karmann hergestellt worden.

Insgesamt baute Karmann über 600.000 Exemplare der verschiedenen Golf-Cabriolets, deren letzte Auflage vor sechs Jahren eingestellt worden war. Karmann bemüht sich seit längerem um Anschlussaufträge im darbenden Fahrzeugbau. Mangels Auslastung in diesem Bereich baut das Unternehmen massiv Personal ab. Der Auftrag zur Fertigung des Audi A4 Cabrio läuft im Herbst aus, dann sollen in Rheine 900 bis 1000 Stellen gestrichen werden. Am Stammsitz Osnabrück, wo unter anderem der Mercedes CLK gebaut wird, droht 2009 das Aus für den Gesamtfahrzeugbau, wenn es nicht gelingt, bis Juli einen neuen Auftrag an Land zu ziehen. In Osnabrück sollen nach der bereits erfolgten Streichung von 580 Stellen im Herbst weitere 290 Arbeitsplätze wegfallen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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