Allianz Dresdner Bank fällt tief ins Minus

Die Allianz hat in ihrem Bankgeschäft im ersten Quartal wegen der Finanzkrise tiefrote Zahlen geschrieben. Doch auch die anderen Sparten der Versicherung liefern nicht die im Vorjahr erreichten Ergebnisse. Die Allianz distanziert sich von ihren mittelfristigen Zielen. Bis August soll die Dresdner Bank geteilt werden.

München - Neuerliche Abschreibungen in Höhe von 845 Millionen Euro führten bei der kriselnden Tochter Dresdner Bank zu einem Verlust von 513 Millionen Euro nach einem Gewinn von 612 Millionen im Vorjahresquartal, teilte die Allianz  am Freitag in München mit. Bei strukturierten Finanzprodukten (ABS) musste die Bank Wertberichtigungen von 845 Millionen Euro vornehmen.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten das Minus im Bankgeschäft, das weitgehend von der Dresdner getragen wird, nur auf 389 Millionen Euro geschätzt. In Eckdaten hatte die Allianz das Ergebnis bereits in der vergangenen Woche vorzeitig veröffentlicht.

Seit Beginn der weltweiten Finanzkrise summieren sich die Belastungen der Dresdner Bank nun auf gut 2,3 Milliarden Euro. Der Überschuss des Konzerns ging in den ersten drei Monaten um zwei Drittel auf 1,15 Milliarden Euro zurück, das Betriebsergebnis sank von 2,9 Milliarden auf 1,9 Milliarden Euro. Der Versicherungsriese hatte diesmal auf Aktienverkäufe verzichtet, wie sie das Ergebnis im Vorjahr in die Höhe getrieben hatten. So hatte sich die Allianz damals unter anderem von Aktienbeständen an BMW  und KarstadtQuelle - jetzt Arcandor  - getrennt.

Auch im restlichen Geschäft lief es für den Konzern, der 2007 auf einen Rekordgewinn von acht Milliarden Euro kam, nicht rund: Der Überschuss der Kernsparte Schaden-/Unfallversicherung ging auf 1,05 (Vorjahr 1,18) Milliarden Euro zurück, in der Leben- und Krankenversicherung auf 452 (553) Millionen sowie in der Vermögensverwaltung auf 78 (99) Millionen.

Der Konzernumsatz fiel mit 27,7 Milliarden Euro ebenfalls schwächer aus als im Vorjahr, als er bei 29,3 Milliarden gelegen hatte. Seit dem Jahreswechsel gab auch das Eigenkapital erneut nach, dieses Mal um 2,8 Milliarden Euro auf 45,0 Milliarden Euro. Bereits im Schlussquartal 2007 war das Eigenkapital um rund eine Milliarde Euro gesunken.

"Die Zahlen sind schockierend"

"Die Zahlen sind schockierend"

Der Ausblick der erfolgsverwöhnten Allianz fiel entsprechend verhalten aus: "Obwohl wir eine leichte Erholung an den US-Hypothekenmärkten und den Aktienmärkten sehen, bleibt es schwer, vorherzusagen, wann sich die Turbulenzen an den Märkten legen werden", sagte Finanzchef Helmut Perlet. "2008 wird ein schwieriges Jahr bleiben und je länger dieser Zustand anhält, desto schwieriger wird es, unser mittelfristiges Ergebnisziel zu erreichen." Die Münchner haben sich vorgenommen, den operativen Gewinn von 2007 bis 2009 um durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr zu steigern. Am Ende der Zeitspanne soll ein Ergebnis von 13,3 Milliarden Euro stehen.

Für die Dresdner Bank wagt die Allianz wegen der Finanzkrise keine Prognose. "Wir können nicht ausschließen, dass weitere Abschreibungen künftige Quartalsergebnisse beeinträchtigen", teilte der Versicherungsriese am Freitag mit. Angesichts der Unsicherheit über die weitere Marktentwicklung und der anhaltenden Preisschwankungen bei vielen strukturierten Anleihen sei eine genaue Prognose derzeit aber nicht möglich. Die Dresdner Bank hat noch Wertpapiere in Höhe von knapp 1,9 Milliarden Euro im Handelsbuch, die als kritisch einzustufen sind.

"Die Zahlen der Dresdner Bank sind schockierend", kommentierte Marktanalyst Heino Ruland von Frankfurt Finanz die detaillierten Quartalsergebnisse. "Sie unterstreichen, dass die Dresdner im klassischen Bankgeschäft stark an Marktanteilen verliert."

Die Allianz will die Aufspaltung ihrer Tochter Dresdner Bank bis Ende August unter Dach und Fach bringen. Für die Gründung der Gesellschaft für das Privat- und Firmenkundengeschäft (PCC) könne die Bilanz 2007 als Grundlage dienen, sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet am Freitag in einer Telefonkonferenz. Für die Gründung einer eigenständigen Gesellschaft für die Investmentbank gebe es noch keinen Zeitplan. Die Allianz hatte Mitte März die Aufteilung der Banktochter in zwei "marktfähige" Institute beschlossen. Eine soll Privat- und Firmenkundengeschäft umfassen, die andere Kapitalmarktgeschäft und Investmentbanking.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ddp

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