Airbus A380-Zeitplan wankt

Airbus überprüft nach Fertigungsproblemen erneut den Zeitplan für sein Großraumflugzeug A380. Für Airbus-Chef Thomas Enders ist es derzeit nicht absehbar, ob es zu weiteren Lieferverzögerungen kommen wird. Die Komplexität des Krisenfliegers sei unterschätzt worden - vor allem am Standort Hamburg.

Hamburg - "Das kann ich Ihnen hier und heute nicht beantworten", sagte Enders im Interview des Deutschlandfunks und der "Süddeutschen Zeitung" in Hamburg. Derzeit werde der Zeitplan überprüft, das Ergebnis liege noch nicht vor, berichtete er. "Es geht schlicht um etwas, was wir auch in anderen Programmen ständig machen: Können wir die Lieferzeiten einhalten?", sagte der Manager. "Ich werde keinen Schnellschuss machen." Dafür hänge zu viel für das Unternehmen davon ab.

Er räumte ein, dass die Komplexität von Entwicklung und Fertigung des Großraumflugzeugs unterschätzt worden sei, insbesondere in Hamburg, wo Probleme bei der Verkabelung das Projekt verzögerten. 2000 deutsche Mitarbeiter seien derzeit in Toulouse damit beschäftigt, Defizite nachzuarbeiten. Das sei kostspielig und nicht optimal, ergänzte Enders. Die monatelangen Lieferverzögerungen hatten Airbus und seinen Mutterkonzern EADS  in eine tiefe Krise gestürzt.

Grund für die laufende Kontrolle ist nach Enders Worten der "ambitionierte Plan" beim Produktionshochlauf. In diesem Jahr sollen 13 Flugzeuge ausgeliefert werden, im nächsten Jahr 26 und 2009 dann noch einmal doppelt so viele. Hinzu komme der Übergang von der "Handfertigung" zum industriellen Prozess. Dabei müsse das Unternehmen insbesondere die Elektrik in den Griff bekommen, erläuterte Enders. An diesem Kreuzungspunkt werde nun geprüft, ob das Hochfahren wie geplant hinzubekommen sei oder gegensteuernde Maßnahmen ergriffen werden müssen. Auch Airbus-Konkurrent Boeing  kämpft mit erheblichen Lieferverzögerungen bei seinem neuen Langstreckenjet B787 Dreamliner.

Zu schaffen macht Airbus nach wie vor der starke Euro im Verhältnis zum Dollar. 10 Cent Veränderung im Wechselkurs bedeuteten im Ergebnis eine Milliarde Euro mehr oder weniger, berichtete Enders. Neben dem Sparprogramm Power 8 müsse das Unternehmen über weitere strukturelle Maßnahmen nachdenken, um Kosten zu senken - beispielsweise durch die Verlagerung von Produktion in Länder mit niedrigerem Kostenniveau. Die Lösung könne jedoch nicht sein, noch einmal 5000 oder 10.000 Arbeitsplätze abzubauen, sagte Enders. Mit dem derzeit laufenden Power 8-Programm ist der Abbau von 10.000 Stellen in der Verwaltung verbunden.

Emirates bereits vorgewarnt

In Bezug auf den Skandal um mutmaßlichen Insiderhandel und Markttäuschung beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sieht Enders die gesamte Firmengruppe ungerecht behandelt. "Die Untersuchungen werden ausgeführt von Leuten, die keine Ahnung von unseren Geschäftsmodellen haben", sagte Enders. Er zeigte sich fest davon überzeugt, dass an den Anschuldigungen nichts sei. Allerdings werde sich die Aufklärung nun wohl einige Jahre hinziehen. Die Pariser Börsenaufsicht verdächtigt Großaktionäre und einzelne Spitzenmanager, vor Bekanntwerden erster Fertigungsprobleme beim A380 EADS-Aktien mit hohen Gewinnen verkauft zu haben. Die Probleme hatten nach der Veröffentlichung zu einem Kurseinbruch geführt.

Airbus hat inzwischen bereits die Fluggesellschaft Emirates über die Überprüfung seines Zeitplans beim A380 informiert. Ein Sprecher bestätigte am Dienstag in Toulouse ein entsprechendes Schreiben an die Kunden. Vorgesehen sei, dass die arabische Airline ebenso wie die australische Qantas  noch in diesem Jahr ihr jeweils erstes Flugzeug erhielten. Der "Meilenstein", der nun aber noch vor Airbus liege, sei das "Hochfahren der Produktion". Derzeit werde überprüft, wo eventuell "nachjustiert" werden müsse. Zu sagen, es gebe eine "Warnung vor möglichen neuen Lieferverzögerungen", wäre aber "überinterpretiert".

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