Deutsche Post Appel hält am US-Geschäft fest

Eine "neue Ära" hat Frank Appel auf seiner ersten Hauptversammlung als Post-Chef angekündigt. Vom verlustreichen US-Geschäft will er sich aber nicht trennen. Ein neuer Leiter soll den amerikanischen Expressdienst sanieren. Mit dem Verkauf der Postbank hat Appel es nicht eilig.

Köln - Die Deutsche Post  unternimmt einen neuen Anlauf, um ihr chronisch verlustreiches US-Expressgeschäft doch noch in die Spur zu bringen. Dazu beruft sie als ersten Schritt den Briten Ken Allen (52) zum neuen Chef der Sparte. Er folgt Hans Hickler nach, der den Posten nur knapp zwei Jahre innehatte. Allen soll ein Sanierungsprogramm umsetzen, das der neue Post-Chef Frank Appel Ende Mai präsentieren will. Es besteht dringender Handlungsbedarf: Das Ergebnis der US-Express- Sparte sei "weiter negativ und nicht zufriedenstellend", beklagte Appel bei der Hauptversammlung am Dienstag in Köln.

Die Post prüfe alle Optionen für ihr US-Expressgeschäft und sei dabei nun in der "finalen Phase", sagte Appel bei seinem ersten Auftritt als Post-Chef vor den Anteilseignern. Eine Möglichkeit schließt er aber aus: "Ein Rückzug aus den USA ist keine Option." Der Vorstand hatte in der Vergangenheit Optionen wie Partnerschaften oder einen Teilrückzug erörtert.

Die Post versucht in den USA den Platzhirschen UPS  und FedEx  die Stirn zu bieten. Anlaufschwierigkeiten und Qualitätsprobleme hatten sie dabei aber immer wieder zurückgeworfen. Milliarden-Verluste waren die Folge. Allein 2007 musste die Post rund 600 Millionen Euro auf das US-Geschäft abschreiben. Nun wird das Geschäft zudem von der flauen Konjunktur belastet, mit deren Auswirkungen auch FedEx und UPS kämpfen.

Bei den Aktionären stieß die Entwicklung in den USA auf harsche Kritik. Die Gewinne der Post seien rückläufig, kritisierte Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Der Aufsichtsrat dürfe nicht entlastet werden, da er die US-Entwicklung toleriert habe. Ein Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, die Verluste in den USA könnten nicht mehr hingenommen werden. ING-Analyst Axel Funhoff sagte, nach seinen Informationen werde die Post das US-Geschäft gezwungenermaßen aus eigenen Kräften sanieren, weil der Konkurrent FedEx als Kooperationspartner nicht zur Verfügung stehe.

Keine Eile beim Postbank-Verkauf

Keine Eile beim Postbank-Verkauf

Eine weitere Herausforderung für Appel, der sein Amt im Februar vom langjährigen Konzernlenker Klaus Zumwinkel übernommen hatte, ist die Zukunft der Tochter Postbank . Appel will sich dabei nicht überstürzt von dem Geldhaus trennen, das auch hohe Beiträge zum Konzernergebnis leistet. "Wir sind uns mit Investoren und Analysten einig, die Postbank nicht in Hast und Eile oder gar unter Wert zu verkaufen", bekräftigte er.

Zumwinkel hatte im vergangenen Jahr angekündigt, der Konzern werde neu über die Zukunft der Postbank nachdenken - und damit Übernahmephantasien befeuert. "Wir befinden uns aktuell in einer Beratungsphase", betonte nun sein Nachfolger. Geld aus einem Verkauf der Postbank für Zukäufe benötigt Appel offenbar nicht: Der Fokus der Post liege auf organischem Wachstum und nicht auf Akquisitionen.

Appel sagte, er sehe den Konzern auf gutem Weg, und bekräftigte die Gewinnprognose für das Jahr 2008. Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde bei rund 4,2 Milliarden Euro (vor Sondereffekten) erwartet. Im Vorjahr lag das Ebit (vor Einmaleffekten) bei rund 3,8 Milliarden Euro. Beim Verkauf ihres Immobilienvermögens sieht sich die Post über Plan. Das Ziel des Kapitalmarktprogramms "Roadmap to Value", bis Ende 2009 mindestens eine Milliarde Euro aus Immobilienverkäufen zu erzielen, werde übererfüllt, sagte Appel.

Nach dem Ausscheiden des langjährigen Vorstandschefs Klaus Zumwinkel, der wegen der Liechtensteiner Steueraffäre abgetreten war, habe für den Konzern "eine neue Ära" begonnen, sagte Appel vor rund 3500 Aktionären. Der Wechsel sei rasch erfolgt und das Unternehmen habe "eindeutig Fahrt gewonnen".

Das jüngere und noch internationaler ausgerichtete Management-Team werde sich noch stärker darauf konzentrieren, mehr Wert für Investoren, Kunden und Mitarbeiter zu schaffen, sagte er. Die Aktionäre würden weiter an der positiven Geschäftsentwicklung beteiligt. Für 2007 soll die Dividende um 20 Prozent auf 90 Cent je Aktie erhöht werden.

Zumwinkel wurde vor den Aktionären sowohl von Appel als auch von Aufsichtsratschef Jürgen Weber gewürdigt. Er bedauere die Umstände, die zum vorzeitigen Ausscheiden Zumwinkels geführt hätten, sagte Weber. Dieser habe in 18 Jahren einen Weltkonzern aufgebaut. Appel sagte, das Management könne auf ein "hervorragendes Fundament" aufbauen, das Zumwinkel gelegt habe.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und dpa

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