Sonntag, 26. Mai 2019

Rohstoffhausse Ölbohrungen in Deutschland

Die Energiepreise springen von Rekord zu Rekord, damit wird die Ölförderung auch in Deutschland wieder attraktiv. Laut einem Pressebericht erteilen Bayern und Niedersachsen neue Bohrkonzessionen. Gleich mehrere Firmen suchen nach noch nicht erschlossenen Vorkommen.

München - Unter deutschem Boden schlummern verwertbare Ölvorkommen. Das vermutet zumindest die Firma Activa Resources, ein kleines Unternehmen, das bisher nur in Texas Öl gefördert hat. Activa hat sich auf alte, verlassene Ölquellen spezialisiert, die von den großen Konzernen nicht vollständig ausgebeutet wurden. Genau dieses Geschäftsmodell könnte nun auch in Deutschland funktionieren.

Benzin und eigene Erdölförderung: "Deutschland ist unterexploriert"
Laut "Süddeutscher Zeitung" hat Activa eine Konzession des bayerischen Wirtschaftsministeriums erhalten, um in einem 2000 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Memmingen und Ammersee nach Öl zu suchen. Auch andere Unternehmen haben dem Bericht zufolge Interesse an Erdöl made in Germany.

Deutschland gilt eigentlich als extrem rohstoffarm. Vor allem Öl kommt hierzulande kaum vor - zumindest nicht direkt unter der Erdoberfläche. Nur ein Bruchteil des Bedarfs kann aus heimischen Quellen gedeckt werden. Doch der hohe Ölpreis ändert nun die Sichtweise: Mittlerweile lassen sich auch schwierige Lagerstätten erschließen, die früher nicht rentabel waren. An diesem Montag schoss der Ölpreis auf einen neuen Rekord von 119,93 Dollar pro Barrel. Damit scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis die 120-Dollar-Marke geknackt wird.

Vorkommen in Bayern und Niedersachsen?

Laut "SZ" hat das bayerische Wirtschaftsministerium bereits mehrere Konzessionen erteilt, damit Unternehmen nach Öl und Gas suchen. Die Genehmigung für Activa Resources ist demnach nur der jüngste Fall: Diese Konzession wurde Anfang April erteilt.

"Deutschland ist unterexploriert, man kann die nachgewiesenen Reserven noch deutlich erhöhen", sagt Activa-Vorstand Leigh Hooper in der "SZ". Er sei zuversichtlich, in zwei bis drei Jahren in dem Gebiet bohren zu können.

Neben Bayern werden vor allem in Niedersachsen Ölvorkommen vermutet. Nach Schätzungen des dortigen Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) ruhen im Boden noch 250 Millionen Barrel Öl. Viel ist das nicht - so verbraucht die Welt an einem einzigen Tag etwa 85 Millionen Barrel. Trotzdem wollen sich die Unternehmen die Menge nicht entgehen lassen: Bei Rekordölpreisen von fast 120 Dollar pro Barrel ist das Geschäft allemal verlockend. "Ab einem Preis von 50 Dollar pro Fass ist ein Abbau rentabel", sagt Activa-Chef Hooper.

Probebohrung in der Nähe von Kempten

Damit steht das Unternehmen nicht allein. Sogenannte "Aufsuchungserlaubnisse" sind laut "SZ" auch an den österreichischen Ölkonzern ÖMV erteilt worden.

"Wir planen für August dieses Jahres eine Probebohrung in der Nähe von Kempten", sagte eine ÖMV-Sprecherin der Zeitung. Vermutet werde dort Erdgas. In Niedersachsen registrierte das Bergbauamt im vergangenen Jahr 20 neue Suchlizenzen.

Auch ein Großkonzern wie RWE-Dea setzt auf Deutschland. Man sei gerade dabei, "im Umfeld unserer Altfelder zu eruieren, ob es sich lohnt, Restbestände an Öl zu fördern", sagte ein Konzernsprecher der "SZ".

manager-magazin.de

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung