Sonntag, 26. Januar 2020

Vertrauensranking Endet die Blüte von VW?

4. Teil: "Wie soll man so konstruktiv arbeiten?"

Wiedeking lässt die Katze aus dem Sack

Verschärft wird die Situation durch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der bisher immer Berichte dementiert hatte, wonach er eine Mehrheit bei VW anstrebt. Nun ließ er die Katze aus dem Sack: man wolle einen Anteil von über 50 Prozent bei VW erreichen - also die Mehrheit.

Bei diesem Streit um das Zepter im Konzern mischt auch der VW-Betriebsrat mit. Dessen Chef, Bernd Osterloh, pocht auf mehr Mitsprache der VW-Belegschaft in der zukünftigen Porsche-Holding und gibt sich in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" vom 18. April kämpferisch: "Wir werden weiter klagen" droht er in Richtung Zuffenhausen, dem Sitz der Porsche Automobilholding. Schließlich ruft er sogar zu Protesten bei der VW-Hauptversammlung am 24. April auf.

Derweil demonstrieren die zwei Konzernpatriarchen in einem gemeinsamen "Stern"-Interview Einigkeit und Entschlossenheit: VW-Übervater Ferdinand Piëch und Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche wollen mit der VW-Übernahme "ein großes Rad drehen", heißt es da, und schicken bildliche Drohungen nach Wolfsburg: "Der Herr Osterloh sitzt ganz hoch oben auf einem Baum, und irgendwann muss er runterkommen".

"Wie soll man so konstruktiv zusammenarbeiten?"

Bisher hat dieser Machtkampf nur geringe Auswirkungen auf das Vertrauen in den VW-Konzern. Die Problemlösungskompetenz und das Kommunikationsverhalten könnten dadurch aber bald bis an die Grenzen gefordert sein. Schon erwarten Medien wie die "Wirtschaftswoche" am 21. April "jahrelange, zermürbende Auseinandersetzungen vor Gericht (…), die den gesamten VW-Porsche-Konzern in Mitleidenschaft ziehen könnten". Für einen dort zitierten Volkswagen-Manager ist es jetzt schon ein Rätsel "wie Volkswagen und Porsche in diesem Klima je konstruktiv zusammenarbeiten sollen". Gut möglich also, dass VW die längste zeit an der CTI-Spitze gewesen ist.

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