Montag, 20. Januar 2020

Vertrauensranking Endet die Blüte von VW?

3. Teil: Größte Rückrufaktion der Geschichte

Größte Rückrufaktion der Geschichte

Am derzeit guten VW-Image konnte nicht einmal die größte Rückrufaktion in der Firmengeschichte rütteln, über die vergangene Woche berichtet wurde. In Brasilien - immerhin der drittgrößte Markt des Konzerns - hatte die Regierung VW aufgrund von Sicherheitsmängeln eine Strafe von rund 1,2 Millionen Euro verhängt und zusätzlich verlangt, dass bei 447.000 Exemplaren des VW Fox die Vorrichtung zum Umklappen der Rückbank ausgewechselt wird. Zeitgleich sind in den USA 410.000 Passat-Fahrzeuge wegen Schäden am Unterboden zurückgerufen worden, allerdings freiwillig und deshalb mit weniger Schlagzeilen.

Doch es gibt echte Schattenseiten. Ein Drittel der Aussagen zum Vertrauensfaktor des Verantwortungsbewusstseins sind negativ und beziehen sich zumeist auf das Olympia-Engagement des Konzerns. VW ist zwar keiner der zwölf Großsponsoren, unterstützt aber den olympischen Fackellauf, der wegen Tibet zum PR-Desaster für die chinesische Staatsführung wurde.

Immerhin: Die "Frankfurter Rundschau" hält die Vorstellung, dass Olympiasponsoren wie VW Ihr Engagement aufgrund von Pekings Tibetpolitik aufgeben, für naiv. Zu wichtig sei der chinesische Markt, wo VW im ersten Quartal 2008 ein Drittel mehr Fahrzeuge verkauft hat als im Vorjahreszeitraum und wo die Wolfsburger im kommenden Jahr erstmals mehr Fahrzeuge absetzen wollen als in Deutschland.

Mit der Debatte um das VW-Gesetz könnten noch größere Schwierigkeiten auf den Konzern zukommen. Bundesjustizministerin Zypries ist durch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes gezwungen, das Spezialgesetz zu ändern, will aber gleichzeitig sicherstellen, dass die Sonderrolle des Landes Niedersachsen in der Konzernführung per Sperrminorität gewahrt bleibt. Dagegen macht Großinvestor Porsche mobil. Das Unternehmen bekam am 9. April Schützenhilfe von EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy, der die Bundesregierung aufforderte, die geplante Neuauflage des VW-Gesetzes zu überdenken.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung