Verkauf gescheitert "Addio Alitalia"

Die Fluggesellschaft Air France-KLM hat ihr Übernahmeangebot für Alitalia zurückgezogen. Jetzt steht die italienische Luftfahrtgesellschaft ohne Partner da - und womöglich ohne das nötige Bargeld, um den Flugbetrieb aufrecht halten zu können. Der Aktienkurs des Unternehmens fällt abrupt.

Rom - Die Lage für Alitalia  wird kritisch: Air France-KLM  hat die Übernahme der traditionsreichen Fluggesellschaft platzen lassen. Die Offerte habe keine Gültigkeit mehr, erklärte die französisch-niederländische Airline. Alitalia habe es versäumt, die rechtliche Lage nach den gescheiterten Gesprächen vom 2. April zu klären.

Während sich in Rom am Dienstag Politiker, Gewerkschafter und Unternehmensspitze gegenseitig die Schuld für die gescheiterten Verhandlungen in die Schuhe zu schieben versuchten, scheint die Lage für die Fluglinie mittlerweile so gut wie aussichtslos zu sein: Italiens Flugaufsicht ENAC warnte am Dienstag, Alitalia könne die Fluglizenz verlieren, falls die Airline ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkomme. An der Börse verlor die Alitalia-Aktie daraufhin rund 11 Prozent an Wert, der Handel mit dem Wertpapier wurde vorübergehend ausgesetzt.

"Addio Alitalia. Die Kehrtwende von Spinetta lässt die Regierung in Rom erstarren", titelte die Zeitung "La Stampa". Air France-KLM hatte am 14. März ein Angebot vorgelegt, das den italienischen Konkurrenten mit 139 Millionen Euro bewertet. Der Alitalia-Aufsichtsrat hatte akzeptiert, das die Streichung von etwa 2100 Stellen vorsah. Die Verhandlungen scheiterten jedoch an neuen Forderungen der Gewerkschaften.

Allgemein wurde damit gerechnet, dass die italienische Regierung kurzfristig zu einer Kabinettssitzung zusammentreffen werde, um über eine Finanzhilfe für Alitalia zu entscheiden. "Il Sole 24 Ore" berichtete, die scheidende Regierung von Romano Prodi könnte einen Kredit von 100 Millionen bis 150 Millionen Euro gewähren. Um Kritik der Europäischen Kommission zu begegnen, könne als Grund die Sicherung der öffentlichen Ordnung genannt werden. Der italienische Staat hält 49,9 Prozent der Alitalia-Aktien.

Der Mailänder "Corriere della Sera" berichtete am Dienstag, der Medien-Milliardär und künftige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi blicke jetzt - angesichts der prekären Lage - auch in Richtung Deutschland, in der Hoffnung, die Lufthansa  oder ihre italienische Partnergesellschaft Air One ins Spiel bringen zu können. Berlusconi sagt allerdings auch, er hoffe zudem auf ein Konsortium italienischer Investoren oder Gespräche mit der russischen Fluggesellschaft Aeroflot. Ein Sprecher der russischen Fluglinie sagte, man erwarte ein Angebot aus Italien.

Dem "Corriere della Sera" zufolge könnten italienische Banken in einigen Wochen eine Kapitalspritze von bis zu zwei Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Dies würde Alitalia ein Jahr Zeit verschaffen, sich einen neuen Partner zu suchen. Derweil werden die Verluste von Alitalia allerdings immer dramatischer: "La Repubblica" rechnete vor, dass die Airline die italienische Nation in den vergangenen 15 Jahren 15 Milliarden Euro gekostet habe, "270 Euro für jeden Bürger, Neugeborene eingeschlossen".

manager-magazin.de mit Material vom dpa und reuters

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