Tui Offener Brief an die Aktionäre

Der Reise- und Schifffahrtskonzern Tui will den Verkauf seiner Tochter Hapag-Lloyd möglichst schnell über die Bühne bringen. Ende Mai oder Anfang Juni werde das Unternehmen Kontakt zu Interessenten aufnehmen, erklärte der Tui-Vorstand am Montag in einem offenen Brief an die Aktionäre. Diese habe "höchste Priorität".

Hannover - Tui-Vorstandschef Michael Frenzel will sich persönlich um die Abspaltung der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd kümmern. Als Berater hat sich Tui  die Deutsche Bank , Citigroup  und Greenhill an Bord geholt. Nutznießer der Abspaltung sollen vor allem die eigenen Aktionäre sein, die Tui an dem Verkaufserlös beteiligen will. "Der Prozess fokussiert sich klar darauf, maximal Wert für unsere Anteilseigner zu schaffen", hieß es in dem Brief.

Zu den aussichtsreichsten Bietern für die Schifffahrttochter zählt die Containerreederei Neptune Orient Lines (NOL) , die bereits mehrfach ihr Interesse an Hapag-Lloyd kundgetan hat. Aus Sicht von Branchenexperten wäre ein Zusammenschluss der auf Transatlantik- und Europa-Asien-Routen spezialisierten TUI-Tochter mit der vor allem im Pazifik fahrenden NOL sinnvoll. In Finanzkreisen hieß es zuletzt jedoch, die Gespräche zwischen den beiden Reedereien lägen auf Eis.

Der Machtkampf der beiden Großaktionäre Alexej Mordaschow und John Fredriksen beunruhige den Vorstand nicht, betonte Tui. "Das Management geht sensibel mit der derzeitigen Situation um, in der das Unternehmen zwei Lager von Anteilseignern aufweist", hieß es. TUI differenziert in dem Brief zwischen langfristig orientierte Aktionären mit touristischem Interesse und kurzfristig orientierten Anteilseignern, die Interesse an der zum Verkauf stehenden Schifffahrt hätten. Mit ersteren ist offenbar unter anderem Mordaschow gemeint, mit letzteren der norwegische Reeder Fredriksen. Nach dem Umbau von TUI zu einem Reiseunternehmen werde sich auch die Aktionärsstruktur entsprechend verändern.

Während Mordaschow zusammen mit Tui in seiner russischen Heimat einen Reisekonzern aufbauen will, wird über Fredriksens Interesse nur spekuliert. Einen Kauf von Hapag-Lloyd strebt er nach eigenem Bekunden nicht an. Möglicherweise will er dennoch den Verkaufsprozess beeinflussen, um einen ihm genehmen Käufer für Hapag-Lloyd zu finden.

Unlängst hat Fredriksen seinen Anteil an Tui auf 11,7 Prozent aufgestockt und ist damit an Mordaschow vorbeigezogen. Der Norweger fordert zwei Sitze im Aufsichtsrat und den Rückzug von Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow. Tui betonte, das Unternehmen habe Fredriksen bereits im Januar einen Sitz in dem Gremium angeboten. Dieses Angebot gelte weiterhin. Eine Ablösung Krumnows fände im Aufsichtsrat keine Unterstützung.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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