Discounter Plus Insolvenz als Option

Tengelmann und Edeka suchen im Streit mit dem Kartellamt um die Plus-Übernahme nach Kompromissvorschlägen. Nicht ausgeschlossen aber, dass der komplette Deal doch noch scheitert. Für Plus wäre das eine Katastrophe.

Hamburg - Der 4. April 2008 dürfte als schwarzer Freitag in die Firmenhistorie des Mülheimer Handelskonzerns Tengelmann eingehen. An jenem Tag teilte das Bundeskartellamt Firmenchef Karl-Erivan Haub mit, dass es Bedenken gegen den Teilverkauf seines Discounters Plus an den Rivalen Edeka gebe.

Die Wettbewerbshüter attestierten dem Konkurrenten aus Hamburg im Falle der Übernahme der 70-Prozent-Mehrheit zu großen Einfluss bei Vertrieb und Einkauf im deutschen Handelswesen. Von einer Untersagung war gar die Rede.

Seither herrscht in den Zentralen beider Unternehmen reger Betrieb. Tengelmann und Edeka suchen nach Kompromissen, um die Sorge der Behörde zu zerstreuen. Beobachter rechnen damit, dass Edeka gegenüber den ursprünglichen Plänen deutlich weniger Filialen aus dem Plus-Netz übernehmen könnte und den Rest an Wettbewerber abgibt. Auch die Absage an die geplante Einkaufskooperation zwischen Edeka und den Tengelmann-Supermärkten Kaiser's Tengelmann wäre eine Option. Spätestens bis morgen erwartet das Kartellamt Lösungsvorschläge. Endgültig entschieden wird dann Mitte Mai.

Nicht auszuschließen aber, dass das Kartellamt hart bleibt und der Deal vollends scheitert. Für Haub wäre das ein schwerer Schlag. Er müsste Plus-Deutschland in Eigenregie weiter betreiben, was schon in der Vergangenheit mehr schlecht als recht gelang.

Die Suche nach einem alternativen Partner strebt Tengelmann offenbar nicht mehr an. Weder im Inland noch im Ausland gibt es geeignete Abnehmer. Selbst die Wiederaufnahme der Gespräche mit dem Wettbewerber Rewe wird es nicht geben. Zwar hatten die Kölner ebenfalls für Plus geboten. Doch auch auf Rewe-Seite wird jetzt eine Blockade durch das Kartellamt befürchtet. Bestenfalls kann man sich dort die Übernahme einiger Filialen vorstellen.

Im Alleingang hat Plus indes kaum eine Überlebenschance. Schon jetzt zeigt die Kette Anzeichen der Auflösung. Die Auslandsgeschäfte hat Haub in den vergangenen Monaten zum Großteil veräußert. Entsprechend schrumpfte der Gesamtumsatz des Discounters, was zulasten der Einkaufsvorteile geht. Im Preiskampf gegen Aldi und Co. kann Plus damit kaum mehr bestehen.

Manager wandern ab

Zudem verliert das Unternehmen immer mehr Manager. Die Geschäftsführer David Strack (37) und Jochen Kratz (34) sowie Marketing-Chef Peter Müller (47) haben Plus schon verlassen oder sollen vor dem Absprung stehen.

Im Einkauf denken ebenfalls zahlreiche Spitzenkräfte über einen Wechsel nach. Das Büro für die Beschaffung von Non-Food-Artikeln in Hongkong wurde bereits geschlossen.

Großartig investieren wird Haub in die ungeliebte Tochter wohl nicht mehr. Dafür müsste Tengelmann viel Geld in die Hand nehmen und sich verschulden. Das allerdings will der Familienunternehmer auf keinen Fall, da er von jeher eine tiefe Abneigung gegen Einflüsse von Fremdkapitalgebern pflegt.

"Ohne Partner kaum wettbewerbsfähig"

Größenverluste, Managerschwund, Investitionsstau - bei Plus stehen die Zeichen auf Agonie. "Ohne einen Partner ist Plus kaum mehr wettbewerbsfähig", sagt Thomas Roeb, Handelsexperte an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

"Wenn sich das Geschäft nicht kurzfristig stabilisieren lässt, wäre die kontrollierte Insolvenz eine denkbare Option", so Roeb weiter.

Auf diese Weise käme der Händler leicht aus den Mietverträgen für die vielen maroden Filialen heraus. Sollte Plus tatsächlich zusammenbrechen, hätte das Kartellamt indes genau das Gegenteil vom dem erreicht, was es mit dem Einspruch gegen die Übernahme durch Edeka eigentlich bewirken wollte: Statt mehr gäbe es weniger Wettbewerb. Aldi und Lidl wären die Profiteure.

Edeka/Plus: Wie die Fusion zu retten ist

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