Finanzkrise 2500 Milliarden Dollar in Gefahr

Die Finanzkrise erreicht kaum vorstellbare Rekordwerte. Rund 2500 Milliarden Dollar sollen Investoren in sieche US-Hypothekendarlehen versenkt haben. Ein großer Teil davon wird erst in den kommenden Monaten so richtig Probleme bereiten. Deutschlands Wirtschaft wird davon laut Experten erheblich betroffen sein.
Von Karsten Stumm

Frankfurt am Main - Der Einschlag kommt näher. Nach Meinung von Experten werden die Folgen der weltweiten Finanzkrise erst ab dem dritten Quartal dieses Jahres zu spüren sein – und Deutschland hängt wohl mittendrin.

"Von weltweit 10.000 Milliarden Dollar, die Anleger in amerikanische Hypothekenfinanzierungen gepumpt haben, zählen wohl Papiere im Volumen von 2500 Milliarden Dollar zu dem ominösen Subprime-Bereich. Und bei den Papieren, die Deutschlands Banker bisher nicht weiter erwähnt haben, besteht wahrscheinlich noch weiterer Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 50 bis 60 Milliarden Euro", sagte Ulrich Wlecke, Geschäftsführer von Alix Partners, die sich weltweit unter anderem auf das Management problembeladener Kredite spezialisiert haben, am Rande einer Finanztagung in Frankfurt am Main. Die aktuelle Krise erreicht damit die Dimension der Wirtschaftskrise nach der Jahrtausendwende.

Grund für das Anschwellen der Kreditkrise ist der Aufbau vieler dieser Subprime-Kredite. Üblicherweise forderten die Kreditgeber dafür zu Beginn der Kreditlaufzeit vergleichsweise niedrige Zinsen. Zum Ausgleich aber sollten diese mit den Jahren dafür umso stärker steigen – und genau in diese Umbruchphase geraten jetzt viele der abgeschlossenen Kreditkunden hinein; die meisten dieser Deals wurden nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erst in den Jahren 2003 bis 2006 abgeschlossen. "Da viele schwächere Kreditnehmer oftmals nach etwa 20 Monaten heftige Probleme mit ihren Darlehen bekommen, muss man gerade in den nächsten Wochen mit weiteren Problemmeldungen auch bei den Banken rechnen", prophezeit Michael Baur, Managing Director bei Alix Partners. Und spätestens dann könnte die deutsche Wirtschaft einen kräftigeren Schlag bekommen.

"Nicht wenige Banken halten sich schon jetzt mit der Kreditvergabe an Unternehmen zurück, erst recht, wenn die in Schwierigkeiten geraten sind", hat Alix-Partners-Geschäftsführer Wlecke beobachtet. "Frisches Geld ist in Krisensituationen kaum noch verfügbar." Und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. Die Kosten für Ausfallversicherungen, die Banken üblicherweise abschließen, um von Problemen ihrer eigenen Kreditkunden nicht mit in den Abgrund gezogen zu werden, haben sich seit Oktober vergangenen Jahres nach Informationen von Investmentbanken nahezu verdoppelt, so Wlecke.

Der Kredithandel liegt brach

Der Kredithandel liegt brach

Als ob das nicht Probleme genug wären, sitzen nach Angaben der Investmentbanken die weltweit wichtigsten Geldhäuser, von Amerikas Citigroup  über die britische HSBC , die Deutsche Bank  oder Japans Mizuho, auf Kreditzusagen in Höhe von 226 Milliarden Dollar für Firmenübernahmen.

Doch dafür haben sie noch gar keine Partner gefunden, die bereit wären, solche Summen mitzutragen. "Sollte es jetzt zu Notverkäufen kommen, wird dies einen weiteren stark negativen Einfluss auf den Kreditmarkt haben", sagt Wlecke. Dabei liegt der in einem wichtigen Teil schon komplett am Boden.

Der Handel mit Krediten, deren Zinsen nicht mehr pünktlich gezahlt werden oder gar komplett auszufallen drohen, liegt in Deutschland bereits brach. "Im ersten Quartal dieses Jahres hat praktisch nichts stattgefunden, der Markt ist wie paralysiert", sagt Alix-Manager Baur. Derzeit würden höchstens Kredittranchen gehandelt, die feinste Bonität aufwiesen – und bei denen von Problemen weit und breit nichts zu spüren ist. Doch selbst solche Kreditpapiere gehen derzeit höchstens mit Abschlägen in Höhe von 20 Prozent über den Tisch. "Das sind Dimensionen, wie sie früher für Kredite mit Zahlungsstörungen üblich waren. Jetzt findet man zu diesem Preis gerade einmal Abnehmer für beste Kredite", sagt Wlecke.

Einen Profiteur der Krise gibt es dann aber doch: Es sind ausgerechnet jene Banken, die wie keine anderen für das Kreditdesaster in Deutschland stehen, die Düsseldorfer WestLB beispielsweise. Sie bilden jetzt eigene Abteilungen, um ihre Erfahrung im Umgang mit der Krise gewinnbringend zu versilbern – als Problemmanager für andere. "In der Wirtschaftsflaute nach der Jahrtausendwende haben sich Schuldenspezialisten eine goldene Nase verdient. Das Geschäft wollen sie jetzt offensichtlich selber machen", sagt Alix-Partners-Geschäftsführer Wlecke.

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