RWE-HV Chancensuche im Ausland

RWE will im Ausland wachsen und kündigt Zukäufe an. Zu einer möglichen Übernahme des Kraftwerksbetreibers British Energy äußert sich Vorstandschef Jürgen Großmann vor Aktionären aber nicht. Im Inland will der neue Chef die Strukturen straffen - und beruhigt zugleich die Gemüter der Mitarbeiter.

Essen - Vorstandschef Jürgen Großmann bringt RWE  wenige Monate nach seinem Amtsantritt auf neuen Kurs. Der Konzernchef präsentierte am Donnerstag eine neue "Strategie-Agenda 2012". Kernbestandteile sind eine Wachstumsoffensive im Ausland und ein Effizienzsteigerungsprogramm im Inland.

Hatte Großmanns Vorgänger Harry Roels noch den Schwerpunkt auf die Konsolidierung des lange Zeit stark verschuldeten Energiekonzerns gelegt, so reißt Großmann jetzt das Steuer wieder herum. "RWE muss international wachsen", sagte der Manager auf der Hauptversammlung. Mehr als die Hälfte der für die nächsten fünf Jahre geplanten Investitionen in Höhe von 30 Milliarden Euro werde deshalb in Projekte außerhalb Deutschlands fließen.

Deutschland bleibe für RWE zwar der wichtigste Markt, doch biete er schon aus kartellrechtlichen Gründen kaum noch Wachstumschancen für den Konzern, betonte der Manager. Sein Ziel sei es deshalb, bis 2012 rund 40 bis 50 Prozent des betrieblichen Ergebnisses im Ausland zu verdienen. Bislang sind es 36 Prozent.

Während Roels sich bei Übernahmen zurückhaltend gezeigt hatte, machte Großmann klar, dass er diese Fesseln ablegen will. "Wir wollen in noch mehr Ländern präsent sein, die sich durch überdurchschnittliche Wachstumsraten auszeichnen und die massiv in den Ausbau der Infrastruktur investieren", sagte Großmann. Im Auge hat der Konzern dabei nicht zuletzt Russland und die Türkei. Außerdem prüfe der Konzern eine Beteiligung an neuen Kernkraftwerksprojekten in Bulgarien und Rumänien.

Zu möglichen Übernahmeplänen für den Atomkraftwerksbetreiber British Energy äußerte sich Großmann aber nicht. RWE hat Branchenkreisen zufolge für die Gesellschaft knapp 14 Milliarden Euro geboten. Dies wäre die größte Übernahme in der 110-järigen Unternehmensgeschichte.

Schlankheitskur im Inland, aber kein Personalabbau

Parallel zur Wachstumsoffensive im Ausland verordnete der neue RWE-Chef dem Konzern eine Schlankheitskur im Inland. Er kündigte an, das Unternehmen werde sein bisheriges Kostensenkungsziel von 600 Millionen Euro bis 2010 noch in diesem Jahr deutlich anheben. "RWE muss auch bei den Kosten Benchmark werden", verlangte Großmann. Der Konzern werde Arbeitsabläufe vereinfachen und Entscheidungswege verkürzen. RWE gehe es dabei aber nicht um Personalabbau, versicherte der Manager. Er wolle "einfachere Strukturen mit dem Kunden im Mittelpunkt", sagte Großmann.

RWE kämpft mit Kundenschwund. Im vergangenen Jahr kehrten unter dem Strich eine Viertelmillion Kunden dem Unternehmen den Rücken.

Auch bei den verbliebenen Aufräumarbeiten drückt der neue Chef aufs Tempo. Noch in diesem Monat will RWE 40 Prozent seiner US-Tochter American Water verkaufen. Derzeit finde eine Roadshow des Managements in Europa, den USA und Kanada statt, sagte Großmann. Ziel des Konzerns sei es, noch in diesem Jahr die Mehrheit an dem US-Wasserversorger abzugeben. Wenn es dazu kommt, wird für 2008 deutlich mehr vom Gewinn an die Aktionäre ausgeschüttet als sonst.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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