Freenet Anklage gegen Eckhard Spoerr

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Freenet-Chef Eckhard Spoerr sowie seinen Finanzchef Axel Krieger erhoben. Nach Informationen von manager-magazin.de besteht Verdacht auf Insiderhandel. Spoerr, der aktuell um die Übernahme des Konkurrenten Debitel verhandelt, wies die Vorwürfe zurück.
Von Claus G. Schmalholz

Hamburg - Während Freenet-Chef Eckhard Spoerr sich noch mit seinem Anteilseigner Ralph Dommermuth, dem Chef von United Internet , um die angekündigte Übernahme von Debitel streitet, droht dem alerten Konzernchef nun zusätzliches Ungemach von Seiten der Justiz.

Wie manager-magazin.de erfuhr, hat die Hamburger Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen Spoerr und seinen Finanzchef Axel Krieger wegen verbotenen Insiderhandels erhoben.

Die beiden sollen im Juli 2004 jeweils 30.000 Aktien verkauft und so pro Mann rund eine Million Euro erlöst haben - kurz bevor der Aktienkurs von Freenet  mit der Bekanntgabe schlechter Quartalszahlen um 25 Prozent einbrach.

Damit dürften wohl auch die Chancen von Spoerr sinken, bei den Kaufverhandlungen um die Übernahme von Debitel darauf zu pochen, dass er das gemeinsame Unternehmen künftig führen will. Denn unabhängig von der Frage einer Verurteilung steht es einem Unternehmen nicht gut an, wenn der Chef wegen Insiderhandels vor Gericht steht.

Spoerr: "Die Vorwürfe sind unbegründet"

Spoerr wies auf Nachfrage von manager-magazin.de am Mittwoch Abend die Vorwürfe zurück. "Es handelt sich um alte Vorwürfe aus dem Jahr 2004. Die Vorwürfe sind unbegründet, und wir verteidigen uns gegen diese", sagte der Freenet-Chef. "Wir haben nun die Möglichkeit, im Zwischenverfahren umfassend vor einem objektiven Gericht Stellung zu nehmen. Das Verfahren bisher ist fragwürdig, da Anklage erhoben wurde, ohne uns rechtliches Gehör nach Akteneinsicht zu gewähren", fügte er an.

Bereits als bekannt geworden war, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im September 2004 eine Prüfung wegen des Verdachts des Insiderhandels eingeleitet hatte, hatte Spoerr die Anschuldigung als "vollkommen haltlos" zurückgewiesen.

Der Fall liegt nun bei der Hamburger Wirtschaftsstrafkammer 20, die zunächst die Akten prüft und dann entscheidet, ob eine Hauptverhandlung eröffnet wird.

Strittige Geschäfte im Jahr 2004

Folgendes wird Spoerr und Krieger vorgeworfen: Aus einer Sondervergütung aus dem Juni 2002 standen beiden Managern jeweils 66.000 Aktienoptionen zu. Nach einem Aktiensplit verdreifachte sich die Anzahl der Optionen auf rund 190.000 Optionen pro Mann. Nach Ablauf der Sperrfrist verkauften Spoerr und Krieger im Juli 2004 den Großteil der Aktien in Tranchen von 600 bis 10.000 Stück zu Kursen zwischen 17,50 Euro und 20,50 Euro.

Den Ermittlungen des Staatsanwalts zufolge mussten die beiden Spitzenmanager zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst haben, dass wegen eines Einbruchs im Internetgeschäft der Freenet ein erheblicher Umsatzrückgang zu verzeichnen war, der die Freenet-Aktie unter Druck setzen würde.

Tatsächlich stürzte der Freenet-Aktienkurs mit der Bekanntgabe der Quartalszahlen am 9. August 2004 um mehr als 25 Prozent ab und notierte schließlich bei einem Schlusskurs von 9,13 Euro. Eine Veräußerung nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen, so die Schlussfolgerung der Hamburger Staatsanwaltschaft, hätte dem Freenet-Führungsduo erhebliche Mindereinnahmen beschert.

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