Großbritannien Hausmarkt auf 30-Jahres-Tief

Der britische Immobilienmarkt stürzt ab. Der wichtigste Index für Hauspreise fiel im März auf den niedrigsten Wert seit 30 Jahren. Weil dadurch das Vermögen der Briten schrumpft, droht eine Konsumflaute.

London - Die Krise auf dem britischen Immobilienmarkt verschärft sich und greift zunehmend auf andere Wirtschaftsbereiche über. Gedrückt von steigenden Hypothekenzinsen und mangelndem Konsumentenvertrauen brachen die britischen Häuserpreise im März überraschend stark ein, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Zahlen der Vereinigung der Bauwirtschaftsgutachter (Royal Institute of Chartered Surveyors) hervorgeht.

Der Häuserpreisindex fiel mit minus 78,5 Punkten auf den niedrigsten Stand seiner 30-jährigen Geschichte. Experten hatten dagegen mit einer leichten Erholung des Index auf minus 67,5 von zuletzt minus 67,7 Punkten gerechnet. Das britische Pfund fiel nach der Veröffentlichung der schwachen Daten auf ein Rekordtief von 1,24 Euro.

Der Preisverfall auf dem britischen Immobilienmarkt sei direkt auf den Mangel an Finanzierungsmöglichkeiten zurückzuführen, erläuterte Jeremy Leaf, Sprecher des Gutachterverbands. Viele Banken haben die Vergabe von Hypotheken drastisch eingeschränkt. "Die Stimmung ist sehr schlecht und wird auch so bleiben, solange dieser einzigartige Liquiditätsmangel die britische Wirtschaft belastet", fügte er hinzu.

Da viele Briten Hausbesitzer sind, leidet ein großer Teil der Bevölkerung unter den steigenden Hypothekenzinsen und den fallenden Häuserpreisen. Die britischen Einzelhandelsverkäufe gingen im März erstmals seit zwei Jahren zurück - ein klares Zeichen dafür, dass die Kreditkrise langsam auch die Verbraucher zu spüren bekommen. "Die Daten zeigen deutlich, dass die Konsumenten angesichts des Gegenwinds mit Ausgaben immer mehr zögern", erläuterte Howard Archer vom Analyseinstitut Global Insight.

Die Briten müssen höhere Zinsen für Hypotheken oder Konsumentenkredite bezahlen, obwohl die Bank of England die Leitzinsen schon mehrmals gesenkt hat. Beim Konsumenten kommen die Zinssenkungen bisher nicht an, denn die Sätze, zu denen sich die Banken untereinander Geld leihen, sind weiter hoch. Experten rechnen daher schon bald mit weiteren Zinssenkungen in Großbritannien.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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