US-Dieseloffensive Treibstoff für (zu) große Träume

Mit großem Tamtam wollen deutsche Autobauer den Amerikanern den Dieselmotor endlich schmackhaft machen und damit dem Hybrid Paroli bieten. Doch nicht nur, dass Dieselfahrer in den USA immer noch als Freaks gelten. Der stark gestiegene Preis für den Kraftstoff droht den Plan endgültig zu durchkreuzen.

Hamburg - "Das Zeug stinkt einfach höllisch, wenn Du tankst, und es ist zu teuer", ereifert sich User "Spool" (Kolben) im BMW-Freunde-Forum Bimmerpost. Und beschleunigt der neue 335d überhaupt genauso schnell wie sein Bruder mit Benzinantrieb? Unsinn, entgegnet "Pedal2Floor", zumindest das mit dem fiesen Geruch sei schon lange nicht mehr so.

Bei den US-amerikanischen BMW-Fans hat die für dieses Jahr angekündigte Dieseloffensive des Münchener Herstellers schon hitzige Debatten ausgelöst. Viele US-Autofans fremdeln noch immer mit dem Selbstzünder-Antrieb, den sie eher bei Lastwagen und Mähdreschern kennen. Das ärgert die deutschen Hersteller, denn 2008 soll das große Jahr des Diesels in den USA werden. Einen "Durchbruch" erwartet der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann.

Bislang dümpelt der Diesel-Anteil in den Staaten je nach Berechnung zwischen 0,2 und 3 Prozent. Also plant BMW eine Aufklärungskampagne für die Technologie, frei nach dem Motto "Wir stinken nicht". Wann genau die beiden Modelle auf den Markt kommen, ist noch nicht klar. Statt wie einst von Sommer ist jetzt von Herbst die Rede. Genaueres konnte ein BMW-Sprecher gegenüber manager-magazin.de noch nicht verraten. "Wir suchen einen günstigen Zeitpunkt."

Ob es den zurzeit überhaupt gibt, ist jedoch fraglich. Denn die Dieselpreise haben zu einem ungekannten Höhenflug angesetzt.

Opfer des eigenen Erfolgs

Opfer des eigenen Erfolgs

Mit dem Diesel wollen die Deutschen in den USA dem Hybridantrieb etwas entgegen setzen - mit dem vor allem Japaner wie Toyota bei den Amerikanern punkten. Nach Volkswagen und Daimler ist BMW der dritte deutsche Hersteller, der den Amerikanern das Erbe von Rudolf Diesel schmackhaft machen will. 150 Jahre nach dessen Geburt soll der verbrauchsarme Motor den Amerikanern beim Sparen helfen, Treibhausgase verringern - und die Absatzzahlen der deutschen Marken nach oben schrauben.

Doch der Dieselpreis liegt in den USA nach Angaben der Energie-Statistikbehörde EIA  inzwischen um 20 Prozent über dem ohnehin hohen Benzinpreis. Allein in der vergangenen Woche legte Diesel zehn Cent pro Gallone auf den Rekordwert von 4,06 Dollar pro Gallone zu (67 Eurocent pro Liter), Benzin nur knapp sechs Cent auf 3,39 Dollar (56 Eurocent pro Liter). Dabei neigt sich die Heizsaison dem Ende zu. Sie gilt als klassische Begründung für Preisturbulenzen, weil Diesel mit Heizöl praktisch identisch ist.

"Die weltweite Nachfrage für Diesel ist kontinuierlich gestiegen, und die Raffineriekapazitäten sind ausgelastet", begründet die EIA den Trend, der sich 2004 abzuzeichnen begann. Der Diesel ist somit auch Opfer seines eigenen Erfolgs. Nicht zuletzt haben neue Qualitätsanforderungen Diesel teurer gemacht, der in den USA zudem unter einer höheren Steuerbelastung als Benzin leidet.

Das Hauptargument der Hersteller sind aber geringere Betriebskosten. Immerhin verbraucht der Selbstzünder bis zu einem Viertel weniger Treibstoff als ein Benziner. Doch angesichts der explodierten Preise lohnt sich die Anschaffung eines teuren, dafür verbrauchsärmeren Selbstzünders für viele Autofahrer nur, wenn die Fahrzeuge nicht wesentlich teurer als Benziner sind.

Allein die neue, saubere Bluetec-Technologie verteuere jedes Fahrzeug jedoch um 1500 bis 2000 Dollar, sagt der Gelsenkirchener Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber manager-magazin.de. Der Aufpreis könnte entscheidend sein. Nur wer spitz rechnet und extrem viel fährt, spart mit dem Diesel nicht nur Kohlendioxid, sondern auch Geld.

Hoffen auf den Sieg der Demokraten

Hoffen auf den Sieg der Demokraten

"Bluetec bringt in den USA nicht den Durchbruch für den Diesel", schlussfolgert Dudenhöffer deshalb mit Blick auf den teuren Kraftstoff, "der Preisabstand ist so nicht kalkuliert". Zudem seien die Benziner technisch noch lange nicht ausgereizt und verfügten noch über ein Sparpotenzial von 10 bis 15 Prozent. Langfristig sagt Dudenhöffer einen weltweiten Siegeszug des Hybrid-Antriebs voraus. Auch in Deutschland sei ein Ende des Dieselbooms in Sicht: Nach 2010 werde der Anteil nicht mehr steigen.

"Es ist ein schleichender Prozess", sagt der BMW-Sprecher zu den Diesel-Hoffnungen seines Konzerns in den USA, "der Durchschnittsamerikaner steigt eben nicht sofort um". Die deutschen Hersteller und ihre Zulieferer wie Diesel-Spezialist ElringKlinger stützen sich derweil auf Prognosen wie von JD Power, die dem Antrieb in den USA einen Anteil von 14 Prozent im Jahr 2017 vorhersagen. Die britische Unternehmensberatung Cazenove rechnet gar mit 15 Prozent bis 2015. Voraussetzung sei allerdings eine dieselfreundlichere Gesetzgebung mit Steuernachlässen.

Deshalb hoffen manche Dieselfreunde auf einen Sieg der Demokraten bei den Wahlen im Herbst. "Dann dürfte die Politik den durchschnittlichen Flottenverbrauch der Hersteller ins Visier nehmen", schreibt Analyst Karan Khemani und erwartet in diesem Fall Vorteile für den sparsamen Dieselantrieb. Bei all den zu erwartenden Widerständen dürfte die Gesetzgebung allerdings noch Jahre dauern.

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