Finanzkrise G-7 verabschieden Aktionsplan

Die sieben führenden Industrieländer wollen mit einem umfassenden Aktionsbündel die weltweite Finanzkrise eindämmen. So sollen große Finanzinstitute durch internationale Bankaufsehergruppen beobachtet und das Risikomanagement gestärkt werden.

Washington - Mit dem Maßnahmenpaket, das teils in den nächsten 100 Tagen, teils bis Ende des Jahres umgesetzt werden soll, benannten die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 , wer wann was tun soll, damit sich solche Krisen nicht wiederholen. Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) wertete es wie seine Kollegen als Erfolg, dass es zu einem gemeinsamen Vorgehen komme.

Die G-7 äußerte zudem Sorge über stark schwankende Wechselkurse. Die Staatengruppe begrüßte andererseits, dass bei lange strittigen Reformen des Internationalen Währungsfonds (IWF) Durchbrüche gelungen sind. Steinbrück und Bundesbank-Präsident Axel Weber sprachen von einer geradezu überschwänglichen Zustimmung der G-7 zu dem Bericht des internationalen Forums für Finanzstabilität (FSF), auf den das Aktionspaket zurückgeht. Beide bemühten sich, vorsichtigen Optimismus in Hinblick auf ein baldiges Ende der Finanzkrise zu verbreiten.

Weber sagte: "Es gibt erste ermutigende Zeichen, dass der größte Teil der Anpassungen hinter uns liegen könnte." Es gebe "das ein oder andere Licht am Horizont". Steinbrück unterstrich: "Es gibt keinen Grund für eine Weltuntergangsstimmung". Die Finanzkrise treffe zwar auch Deutschland, aber weniger, als viele es meinten. Weber führte an, die weltweiten Belastungen bei Banken als Folge der Finanzkrise beliefen sich bislang auf rund 225 Milliarden Dollar, davon rund 30 Milliarden Euro bei deutschen Instituten. Weitaus höhere Schätzungen seien unrealistisch.

Steinbrück warnte, mit überhöhten Zahlen "erschreckt man sehr schnell die Leute". Mit Blick auf die unerwartet tiefe und andauernde Finanzkrise bekannte sich die G-7 zu einer engen Zusammenarbeit. Ausdrücklich begrüßt wird die Kooperation der Notenbanken bei der Versorgung der Märkte mit Liquidität und "andere Maßnahmen" der Geld- und Fiskalpolitik zu Stützung der Konjunktur. Jedes G-7-Land müsse zur Problemlösung beitragen.

Mit ihren Vorschlägen zur Krisendämpfung setzte die G-7 beim Kapital-, Liquiditäts- und Risikomanagement in Finanzsektor, der Schaffung von mehr Transparenz, bei angemessener Risikobewertung sowie bei Änderungen im Rating-Prozess an. Zudem soll die Aufsicht über die Banken verbessert und ausgebaut werden. Das Finanzgewerbe selbst sollte für den Umgang mit Stresssituationen besser gewappnet werden.

Kritik an IWF-Schätzungen

Kritik an IWF-Schätzungen

Konkret gefordert werden die schnelle und umfassende Offenlegung von Verlusten und Risiken bei Banken, bessere Bilanzierungsstandards, eine stärkere Kapitalpolsterung für Risiko-Geschäften sowie eine G-7-weite Beobachtung der großen Banken durch internationale Bankaufsehergruppen.

Steinbrück und Weber warfen dem IWF daneben vor, er unterschätze die beeinträchtigten, aber dennoch soliden Wachstumsaussichten für Deutschland und Europa. Der Fonds lege offenbar Maßstäbe wie in den USA an, und das gehe nicht.

Ansonsten sieht die G-7 die Weltwirtschaft mit Blick auf die Finanzkrise in einer schwierigen Situation. Zwar sehe man die langfristige Stärke der großen Volkswirtschaften positiv, doch kurzfristig hätten sich die Wachstumsaussichten eingetrübt. Insgesamt dominierten die Risiken.

Genannt wurden die weitere Entwicklung am US-Wohnungsmarkt, die angespannte Lage an den Finanzmärkten, die Auswirkungen der hohen Öl- und Rohstoffpreise sowie der anhaltende Inflationsdruck. Auch die steigenden Preise für Lebensmittel und die daraus stammenden Gefahren wurden angesprochen.

Im von den Märkten besonders aufmerksam verfolgten Währungsteil im G-7-Kommunique ist von scharfen Schwankungen bei den Wechselkursen die Rede, die Sorgen über Auswirkungen auf die wirtschaftliche und finanzpolitische Stabilität nährten. China wird für seine etwas flexiblere Wechselkurspolitik gelobt und ermutigt, auf diesem Wege verstärkt fortzufahren. Für die US-Regierung bekannte sich Finanzminister Henry Paulson zu einem starken Dollar.

Hocherfreut äußerte sich Steinbrück, dass die Reformen der IWF-Finanzen und der internen Stimmgewichte im Fonds entgegen viel Skepsis auf den Weg gebracht werden können. Das gebe dem IWF die Möglichkeit, sich stärker auf seine Überwachungsfunktion in Sachen Finanzstabilität konzentrieren zu können.

Gernot Heller, reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.