Spitzentreffen G-7 suchen Wege aus der Krise

Mehr Transparenz und eine stärkere Aufsicht sollen das Vertrauen auf den Finanzmärkten wieder herstellen. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7-Staaten beraten zur Stunde in Washington über Wege aus der weltweiten Kreditkrise, die sich zuletzt erneut zugespitzt hat. Auch IWF und Weltbank sind gefordert.

Washington - Die jüngsten Zahlen sind besorgniserregend. Eine Billion Dollar, so der Internationale Währungsfonds, könnte die weltweite Kreditkrise kosten. Zig Milliarden haben die Banken bereits abgeschrieben, die größte Volkswirtschaft USA stehen am Rande einer Rezession. Auch die Gewinne der US-Unternehmen brechen weg,, wie der Beginn der US-Quartalssaison zeigt. Das Risiko eines globalen Abschwungs hat sich zuletzt spürbar erhöht.

Was tun? Bereits am Freitag Abend begannen die Beratungen der G-7-Finanzminister, und zunächst einmal sind psychologische Signale wichtig.

Der Gastgeber, der US-amerikanische Ressortchef Henry Paulson, bemühte sich, Zuversicht zu verbreiten. Die amerikanische Wirtschaft werde einen kräftigen Schub erhalten, wenn die Regierung im Rahmen ihres Konjunkturprogramms ab dem nächsten Monat 130.000 Haushalten einen Scheck schickt. Der zusätzliche Konsum könne in diesem Jahr zur Schaffung von 500.000 bis 600.000 neuen Jobs führen, sagte Paulson.

Bernanke mahnt zur Eile

Selbst Notenbankchef Ben Bernanke mahnt zur Eile. Die Aufsichtsbehörden müssten künftigen Krisen vorbeugen, damit diese nicht zu einem Zeitpunkt aufbrächen, zu dem man noch mit der Bekämpfung eines anderen Problems beschäftigt sei.

"Wir können uns nicht den Luxus leisten, darauf zu warten, dass sich die Märkte stabilisieren, bevor wir an die Zukunft denken", sagte Bernanke. "Die finanzielle Notlage, die wir derzeit erleben, ist eine der schwersten Episoden der Nachkriegszeit".

Fed-Chef Bernanke, der sich in seiner wissenschaftlichen Karriere vor allem mit der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre beschäftigt hat, bekräftigte aber seine Einschätzung, dass die Lage derzeit bei weitem nicht so schlimm sei - und auch nicht so schlimm werde, denn die Fed habe aus den damaligen Fehlern gelernt.

Bessere Bilanzierung gefordert

Die G-7-Gruppe wird auch den Akteuren auf den Finanzmärkten Gelegenheit geben, ihre Vorschläge im Kampf gegen die Subprime-Krise zu unterbreiten. Dazu trifft man sich am Freitagabend zu einem Arbeitsessen mit Vertretern von einigen der größten Finanzkonzernen. Arbeitsgrundlage für die G-7 ist ein Plan, den das Forum für Finanzstabilität (FSF) unter dem Vorsitz des italienischen Notenbankchefs Mario Draghi erarbeitet hat.

Die FSF dringt auf mehr Offenheit und mehr Kontrolle. So sollen Banken und andere Institutionen des Finanzmarkts offenlegen müssen, wie tief sie in Subprime-Kredite verstrickt sind. Mehr Transparenz wird bei Investitionen gefordert, die nicht in den Bilanzen stehen. Den Ratingagenturen soll eine wichtigere Rolle bei der Vermeidung von Finanzkrisen zugewiesen werden.

Nicht zuletzt sollen die Möglichkeit der Zentralbanken gestärkt werden, den Märkten mit Finanzspritzen in Notsituationen zu helfen. Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, fordert, dass die Verfahren dazu harmonisiert werden müssten. Doch auch so hätten die Europäische Zentralbank, die Fed und andere Notenbanken ihre Sache bislang gut gemacht.

Der deutsche Ressortchef Peer Steinbrück und seine Kollegen werden alles daran setzen um zu zeigen, dass sie die dramatische Lage an den Finanzmärkten in den Griff bekommen können. Seit ihrem Beginn vor acht Monaten in den USA hat sich die Krise über den Globus ausgeweitet.

manager-magazin.de mit Material von ap

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