Sonntag, 26. Mai 2019

AUB Wenn Betriebsräte handzahm werden

3. Teil: "Millionen sind flöten gegangen"

"Millionen sind flöten gegangen"

Auf der Liste der "Unabhängigen" kandidieren AUB-Vertreter beispielsweise bei den anstehenden Betriebsratswahlen am Siemens-Standort München-Perlach. Seit Bekanntwerden der Affäre hat die Liste bei Wahlen jedoch deutlich an Stimmen verloren, sagt Matthias Jena von der IG Metall. "Es stellt sich die Frage, wie die AUB sich halten kann,", so der Gewerkschaftssprecher, "nachdem ihr die Millionen flöten gegangen sind".

Airbus-Werk Hamburg: "Die AUB spielt keine Rolle im täglichen Geschäft der Betriebsräte"
Auch Markus Promberger gibt der Organisation keine guten Chancen bei künftigen Betriebsratswahlen: "Ich glaube, die AUB ist diskreditiert", sagt der Gewerkschaftsexperte des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Bedeutung von Konkurrenzorganisationen in deutschen Betriebsräten sei generell "verschwindend gering".

Klarer Sieger der AUB-Krise: Die etablierten Gewerkschaften. Im Siemens-Aufsichtsrat ist die IG Metall inzwischen konkurrenzlos, die einzige AUB-Vertreterin ist ausgeschieden. Auch beim Flugzeugbauer Airbus bejubelt die Metallergewerkschaft Stimmenzuwächse.

Im 40-köpfigen Betriebsrat des Airbus-Standorts Hamburg sitzen zehn Mitglieder der Liste "Die Freien", darunter auch AUB-Vertreter. "Die spielen keine Rolle im täglichen Geschäft der Betriebsräte", sagt Daniel Friedrich von der IG Metall Küste. Derzeit ordnen Arbeitnehmervertreter die Airbus-Mitarbeiter in neue Gehaltsgruppen ein - entsprechend dem neuen Gehaltstarifvertrag. Doch die "Freien" seien an dieser Arbeit nicht beteiligt, sagt Friedrich. Der Grund: Die AUB ist ein reiner Berufsverband, keine tariffähige Gewerkschaft.

Das Fehlen ernsthafter Konkurrenten für die großen Gewerkschaften ruft Kritiker auf den Plan. Der renommierte Arbeitsrechtler Bernd Rüthers verweist auf das Grundgesetz, das die Gewerkschaftskonkurrenz festlege: "Die rechtlich garantierte, dauerhafte Alleinherrschaft einer Gewerkschaft wäre eine Katastrophe", sagt der emeritierte Professor der Universität Konstanz gegenüber manager-magazin.de. Die Vorgänge bei Volkswagen sprechen nach Ansicht Rüthers' für sich: In die VW-Affäre um Korruption und Lustreisen waren prominente IG-Metall-Mitglieder verstrickt, darunter der damalige Personalvorstand Peter Hartz oder der frühere Betriebsratschef Klaus Volkert. Angesichts der machtvollen Position einzelner Gewerkschaften hält Rüthers "die Möglichkeit unabhängiger Betriebsräte für existenzwichtig in einem freiheitlichen System."

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