Dreamliner Airlines fordern Schadensersatz

Nun geht es Boeing wie Airbus: Zahlreiche Airlines haben angekündigt, wegen der erneuten Verzögerungen bei der 787-Produktion Schadensersatz zu verlangen. Einige Fluglinien könnten ihre Bestellungen sogar zurückziehen.

Wellington/Tokio - Die Produktionsprobleme beim Dreamliner drohen teuer zu werden für Boeing : Eine ganze Reihe von Fluggesellschaften kündigten an, Schadensersatz für die verspätete Lieferung der bestellten 787 zu fordern. So wollen etwa die beiden großen japanischen Airlines sowie Air New Zealand und Air India einen Ausgleich von dem US-Flugzeugbauer verlangen. Insgesamt haben mehr als 50 Fluggesellschaften 892 der neuen Maschinen mit einem Gesamtwert von 145 Milliarden Dollar nach Listenpreis geordert. In Deutschland gehören Air Berlin  und Tui  zu den Bestellern.

Boeing hatte am Mittwoch eingeräumt, dass wegen Zulieferproblemen Erstflug und Auslieferungen des Dreamliners zum dritten Mal verschoben werden müssen. Damit liegt das hauptsächlich aus neuen Faserverbundstoffen bestehende Flugzeug nun 15 Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Abheben soll die Maschine jetzt erstmals im vierten Quartal, die Auslieferungen sollen erst im dritten Quartal 2009 starten. Ursprünglich hatte Boeing geplant, den ersten 787 Dreamliner im Mai 2008 an All Nippon Airways zu übergeben.

Die Verzögerungen bei Boeing erinnern an die Probleme, die Airbus mit seinem Superjumbo A380 hatte. Strafzahlungen sowie die Mehrkosten für die Entwicklung des Prestigeobjekts kosteten den europäischen Flugzeugbauer am Ende Milliarden und stürzten ihn mitsamt dem Mutterkonzern EADS  in eine schwere Krise.

All Nippon Airways und Konkurrent Japan Airlines kündigten nun an, die Auswirkungen auf das eigene Geschäft zu prüfen und Boeing danach mit Entschädigungsforderungen zu konfrontieren. Die beiden Airlines hatten eine kleinere Variante des Dreamliners bestellt, die Boeing jetzt sogar auf unbestimmte Zeit verschob.

Die australische Qantas, mit 65 Bestellungen der zweitgrößte Dreamliner-Kunde, erklärte, bereits Schadensersatzforderungen eingereicht zu haben und begründete dies mit zurückliegenden Verzögerungen. Die beiden Fluggesellschaften Virgin und British Airways  führen nach eigenen Angaben Gespräche mit Boeing über eventuelle Entschädigungen.

Air Berlin wartet ab

Air Berlin erwartet in den kommenden Tagen mehr Informationen von Boeing über die Verzögerungen. Zu möglichen Entschädigungsforderungen wollte sich das Unternehmen zunächst nicht äußern. Air Berlin hat bislang 25 Boeing 787 bestellt und eine Option auf weitere 25 Flugzeuge vereinbart. Planmäßig ausgeliefert werden sollten die Maschinen ab 2013. Tui bestellte elf Dreamliner, die ab 2011 zum Einsatz kommen sollen.

Die neuerlichen Verzögerungen beim 787 könnten dazu führen, dass die Fluggesellschaften ihre Bestellungen für das neue Modell zurückziehen. Möglicherweise wenden sie sich dann den etablierten Boeing-Modellen 767 und 777 zu - oder aber Airbus profitiert mit seinem Konkurrenzprodukt A350 XWB von den Schwierigkeiten der Amerikaner.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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