Sozialplan Einigung mit Nokia

Bis zu 220.000 Euro Abfindung können Bochumer Beschäftigte von Nokia bekommen, je nach Gehaltsgruppe. Arbeitgeberverbände sprechen von einem "fatalen Signal", die Gewerkschaften von einem "Riesenerfolg" - allerdings sei das erst der Anfang.

Bochum - Wenn das Bochumer Nokia-Werk seine Pforten schließt, bekommen die Beschäftigten eine Abfindung von maximal 220.000 Euro pro Kopf. Das ist im Sozialplan festgehalten, auf den sich Nokia mit der IG Metall geeinigt hat.

Allerdings ist noch unklar, wie viele der 2300 Bochumer Nokia-Beschäftigten tatsächlich diese Höchstsumme bekommen. Grundsätzlich liegt bei 220.000 Euro Abfindung aber die Grenze nach der Schließung der Handyfabrik. Ein entsprechender Vorabbericht der "Bild"-Zeitung wurde der Deutschen Presse-Agentur aus Arbeitnehmerkreisen bestätigt.

Die Abfindungsbeträge berechnen sich nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden Gisela Achenbach wie folgt: Beschäftigungsdauer mal Bruttomonatsgehalt mal Alter geteilt durch 20. Bei der Berechnung der Abfindung werde maximal die Tarifgruppe T 6 (6000 Euro) zugrunde gelegt. Die geplanten Regelungen sind nach dpa-Informationen Bestandteil der am Dienstag vereinbarten Sozialplan-Eckpunkte. Eine vertragliche Festlegung steht noch aus.

Der Sozialplan hat ein Volumen von 200 Millionen Euro. 185 Millionen Euro davon entfallen auf Abfindungen für die knapp 2300 Beschäftigten. Das Werk wird am 30. Juni schließen, weil Nokia  die Produktion nach Rumänien verlegt.

Ökonomen halten den Umfang des Sozialplans für problematisch. "Für einen ausländischen Investor ist es ein fatales Signal, dass im Falle eines Falles eine Werksschließung ein extrem teures Unterfangen ist", sagte der Tarifexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Hagen Lesch. So wünschenswert es für die Beschäftigten ist, so sehr könne dies zu einem Problem für den Standort Deutschland werden.

Für die Gewerkschaft IG Metall sei die Einigung ein "Riesenerfolg", sagte Lesch. Die Summe bedeute gegenüber dem ursprünglichen Angebot Nokias von 70 Millionen Euro fast eine Verdreifachung. Sozialplanverhandlungen seien für die Gewerkschaften überdies eine "ideale Möglichkeit, Werbung für sich zu machen und zu betonen: Eine Gewerkschaft kann mehr als nur Tarifverträge schließen." Genutzt werde solch ein Erfolg daher auch, um neue Mitglieder zu gewinnen. "Ökonomisch wäre es allerdings wünschenswert gewesen, das Werk hier zu behalten, etwa durch ein Bündnis für Arbeit."

"Nur ein erster Schritt"

Nach der Einigung über den Interessenausgleich will die IG Metall Nokia aber nicht aus der Verantwortung entlassen. Die Gewerkschaft hat den Konzern zur Hilfe bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze aufgefordert. "Die Vereinbarungen zum Abfindungsvolumen waren nur der erste Schritt", sagte der nordrhein-westfälische IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard. "Jetzt geht es um Anschlussproduktionen für möglichst viele."

Nokia müsse jetzt alles tun, damit die Betroffenen durch die Gewinnung neuer Investoren zu neuer Arbeit kämen, sagte Burkhard. Die geplante Transfergesellschaft müsse so ausgerichtet werden, dass sie diesen Prozess durch zielgenaue Vermittlungshilfen und Qualifizierungen optimal unterstütze. Abfindungen allein schafften noch keine nachhaltigen Perspektiven, sagte Burkhard.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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