Samstag, 7. Dezember 2019

Vertrauensranking Wie ein Verdacht das Misstrauen schürt

Daimler kann gute Autos bauen. Doch wie hält es der Konzern mit der Moral? Ausgerechnet zur Hauptversammlung rückt diese Frage in den Vordergrund. Denn seit gegen EADS wegen Insidervorwürfen ermittelt wird, mehren sich Zweifel an der Integrität des Großaktionärs Daimler. Das zeigt das Vertrauensranking CTI.

Berlin – Kurz vor der Hauptversammlung am 9. April wird Daimler vor eine brisante kommunikative Herausforderung gestellt, die das öffentliche Vertrauen in den Autokonzern auf die Probe stellt. Denn die Vorwürfe der Pariser Börsenaufsicht, die einem Insiderverdacht bei EADS nachgeht, stellen auch Daimler in ein schlechtes Licht.

Das ethische Verhalten des Automobilkonzerns wird in der Öffentlichkeit mit kritischer Distanz dargestellt. Beispielsweise thematisiert das Handelsblatt am 2. April den "Vorwurf, dass Top-Manager sowie die Großaktionäre Daimler und Lagardère bei ihren Aktienverkäufen von Insiderwissen profitiert hätten". Im Corporate Trust Index (CTI), mit dem die PMG Presse-Monitor GmbH und die Universität Leipzig das öffentliche Vertrauen zu den dreißig Dax-Konzernen in 13 meinungsführenden Medien misst (siehe Methode), kommt der Konzern im März/April deshalb auf einen CTI-Wert von insgesamt nur 6 Zählern. Zum Vergleich: Im Jahresmittel 2007 lag Daimler im Gesamtranking noch auf Position 8 mit einem durchschnittlichen monatlichen CTI-Wert von 15 Punkten.

Am 1. April gab die Börsenaufsicht nach eineinhalbjährigen Ermittlungen bekannt, dass sich ihr Verdacht auf Insiderhandel und Fehlinformation der Märkte bei EADS und seinen Großaktionäre erhärtet habe. Daraufhin stürzt der CTI-Index von Daimler am selben Tag kurzzeitig auf -4 Zähler. Zwar erholt sich die Bewertung bis zum 7. April wieder, doch vor dem Hintergrund der übergeordneten Korruptionsthematik und persönlicher Verfehlungen von Managern verschiedener Unternehmen rückt auch Daimler gefährlich in die Nähe einer öffentlichen Vorverurteilung. Allein die reine Wiedergabe der Verdachtsmomente, ohne dass eine abgesicherte rechtliche Verurteilung stattfindet, schürt Misstrauen gegenüber dem Konzern.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung