Air Berlin Verwirrspiel um ein Aktienpaket

Was wird aus den Air-Berlin-Aktien, deren Besitzerwechsel am Vormittag gemeldet wurde? Offiziell soll ein russischstämmiger Milliardär aus den USA die Anteile übernehmen und damit neuer Großaktionär bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie werden. In Finanzkreisen heißt es aber, dass die Papiere als Pfand bei der NordLB liegen.

Hannover - Die NordLB habe von einem Pfandrecht Gebrauch gemacht und sich die 18,56 Prozent an Air Berlin  als Sicherheit für fehlgeschlagene Aktiengeschäfte mit Vatas genommen. Das sagten am Freitag mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Air Berlin hatte am Morgen in einer Pflichtmitteilung erklärt, die Vatas-Tochter Haarlem One habe ihr den Verkauf der erst im Januar erworbenen Anteile zum 1. April 2008 angezeigt.

Weiter hieß es, den Angaben der Vatas-Tochter zufolge habe ein institutioneller Investor die Absicht bekundet, die Aktien zu übernehmen. Bei dem neuen Großaktionär handelt es sich um den russischstämmigen US-Milliardär Leonard Blawatnik. Dessen Investmentfirma Access Industries habe mitgeteilt, dass sie den Anteil von 18,56 Prozent an Air Berlin übernehmen wolle, sagte ein Air-Berlin-Sprecher am Freitagnachmittag. "Von einer Pfändung ist uns nichts bekannt. Wir können das nicht weiter kommentieren." Ein NordLB-Sprecher wollte sich zu den Informationen aus Finanzkreisen nicht äußern.

Die Landesbank hatte kürzlich bekanntgegeben, dass sie im Auftrag eines Kunden größere Pakete an Balda , Curanum , Euromicron  sowie am US-Unternehmen RemoteMDX  erworben habe, die der Kunde nun aber nicht mehr übernehmen wolle. Bei diesem Auftraggeber handelt es sich Finanzkreisen zufolge um die von dem einstigen Jungunternehmer Lars Windhorst geführte Vatas. Diese lehnt dazu einen Kommentar kategorisch ab.

Wegen der gescheiterten Aktiengeschäfte hatte die NordLB für 2007 und 2008 gut 130 Millionen Euro zurückgestellt. Mit der Pfändung wolle sich die Bank gegen drohende Verluste absichern, sagten die mit dem Vorgang vertrauten Personen. "Die NordLB versucht, auf vielen Wegen den Druck hoch zu fahren", sagte ein Insider. Das Paket aus 12,2 Millionen Aktien war am Freitag bei einem Kurs von 7,60 Euro gut 90 Millionen Euro wert.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.