Discounter Lidl bespitzelte Mitarbeiter

Der Lebensmitteldiscounter Lidl spioniert seine Mitarbeiter einem Medienbericht zufolge systematisch aus. Das Unternehmen spricht von "der Feststellung eventuellen Fehlverhaltens" seiner Angestellten.

Hamburg - Wie das Nachrichtenmagazin "Stern" am Mittwoch vorab unter Berufung auf mehrere Hundert Seiten interne Berichte der Supermarktkette Lidl schreibt, wurden Verhaltensweisen der Beschäftigten während der Arbeit detailliert protokolliert. Der Überwachung sei über sogenannte Miniaturkameras in den Filialen erfolgt, die offiziell dem Schutz vor Ladendieben dienten.

In den Protokollen sei jeweils mit Tag und Uhrzeit notiert, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gingen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis habe, wer nach Ansicht der Überwacher unfähig sei oder einfach nur "introvertiert und naiv wirkt". Die meisten dieser Berichte stammten aus Lidl-Filialen in Niedersachsen. Dazu kämen einzelne Abhörberichte aus Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein, schreibt das Blatt.

Lidl bestätigte dem Magazin die Existenz der Protokolle. Dem Konzern zufolge dienten die Berichte allerdings "nicht der Mitarbeiterüberwachung, sondern der Feststellung eventuellen Fehlverhaltens". Von den detaillierten Protokollen aus der Privatsphäre der Beschäftigten habe sich das Unternehmen distanziert und erklärt, die "Hinweise und Beobachtungen entsprechen weder im Umgangston noch in der Diktion unserem Verständnis vom Umgang miteinander."

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, sagte dem Magazin, dass das Protokollieren eines Toilettenbesuchs und ähnliches einen schweren Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstelle: "Ich gehe davon aus, dass, wenn solche Vorgänge bekanntwerden, die zuständige Datenschutzbehörde tätig wird und Ermittlungen einleitet", sagte er.

manager-magazin.de mit Material von ddp