Deutsche Bank Gewinnziel in Gefahr

Die Deutsche Bank stellt wegen der anhaltenden Finanzkrise ihr für 2008 angepeiltes Gewinnziel infrage. Sollte sich die Krise unvermindert fortsetzen und die Wirtschaft nicht wie angenommen wachsen, schließt die größte deutsche Bank weitere Abschreibungen nicht aus.

Frankfurt am Main - Angesichts der verschärften Finanzmarktkrise hat die Deutsche Bank  ihre Gewinnprognose in Frage gestellt und weitere Abschreibungen nicht ausgeschlossen. Der deutsche Branchenprimus, der sich bisher gut behauptet hatte, warnte in seinem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht 2007, mögliche Abschreibungen und rückläufige Erträge im Investmentbanking könnten das Gewinnziel von 8,4 Milliarden Euro vor Steuern in diesem Jahr gefährden.

Die Aktie des Instituts war gegen Mittag mit einem Minus von 2,1 Prozent der größte Verlierer im Dax . Zeitweilig hatte die Verluste mehr als 3 Prozent betragen.

Während sich einige Marktteilnehmer über die Nachricht wenig verwundert zeigten, interpretierten andere Börsianer sie als Gewinnwarnung. Merck-Finck-Analyst Konrad Becker erklärte: "Meiner Meinung nach ist das eine Gewinnwarnung." Die Wortwahl in dem Bericht sei eindeutig pessimistischer als im Februar. Neu sei vor allem die Aussage, dass die Belastungen durch Abschreibungen nicht durch zusätzliche Erträge in anderen Bereichen kompensiert werden könnten. Da setze die Deutsche Bank ein großes Fragezeichen. Der Analyst lobte unterdessen, dass die Deutsche Bank mit der Veröffentlichung für mehr Transparenz sorge.

Merrill Lynch  bestätigte die Aktien der größten deutschen Bank am Mittwoch mit "Neutral". Dass sich das Institut weiter von seinem Gewinnziel für 2008 distanziere, sei keine Überraschung, schrieb Stuart Graham. Er habe bereits zuvor nur mit 6,5 Milliarden Euro gerechnet. Wichtiger seien die Aussagen zu weiteren Abschreibungen. Er gehe in einem "Stress Test Szenario" von weiteren zwei Milliarden Euro aus. Eine Kapitalerhöhung dürfte dafür allerdings nicht notwendig sein.

Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank trotz Abschreibungen von 2,2 Milliarden Euro wegen der Finanzmarktkrise noch eine Rekordbilanz vorgelegt. Während andere Großbanken im Ausland teils tief rote Zahlen melden mussten, erzielte das Institut einen um 5 Prozent höheren Vorsteuergewinn von 8,7 Milliarden Euro. Der Nettogewinn verbesserte sich um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro.

"Die Lage bleibt angespannt"

Bei der Vorstellung der Bilanz im Februar hatte Vorstandschef Josef Ackermann noch die Prognose für den Vorsteuergewinn bekräftigt. Doch mittlerweile beurteilt das Institut die Folgen der Turbulenzen düsterer. "Die negativen Effekte auf unsere Ertragslage können möglicherweise nicht durch Erfolge in anderen Geschäftsbereichen aufgefangen werden, insbesondere für den Fall, dass die Annahmen für ein verlangsamtes, aber anhaltendes Wirtschaftswachstum in 2008 sich als falsch erweisen und das wirtschaftliche Umfeld sich stärker eintrübt", erklärte das Institut.

Die im vergangenen Jahr ausgebrochene Krise auf dem US-Immobilienmarkt setze sich 2008 fort und belaste weiterhin Konjunktur und Finanzmärkte. "Die Kredit- und Liquiditätslage an den internationalen Finanzmärkten bleibt angespannt. Sowohl private als auch institutionelle Anleger halten sich weiter zurück", schrieb Ackermann in einem Brief an die Aktionäre.

Folgen sieht die Deutsche Bank vor allem im Investmentbanking und dort unter anderem im Geschäft mit strukturierten Finanzierungen. "Neben reduzierter Aktivität und rückläufigen Erträgen in diesen und anderen Bereichen können anhaltend schwierige Marktbedingungen dazu führen, dass Abschreibungen auf die Buchwerte einiger unserer Portfolios, einschließlich auf Kredite und Kreditzusagen im Bereich Leveraged Finance, vorgenommen werden müssen." Die Deutsche Bank verfüge aber über die notwendige Kapitalbasis und das Potenzial, um weiter in den Ausbau der Geschäftsfelder zu investieren, Marktanteile zu gewinnen und die Wettbewerbsposition in Kerngeschäftsfeldern zu stärken.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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